Was Werbung auf Webseiten angeht, bin ich nicht so militant wie andere, ich habe aber doch ein Problem damit: der grösste Teil der Seiten, die ich täglich lese, schalten Werbung in Form von blinkendem Flash. Das mag ich nicht, weil Safari bei vielen offenen Tabs mit Flash (ich habe häufig 20+ Tabs am Start) seehr langsam wird (Beach Ball of Death).
Heute hat es mir den Hut gelupft und ich habe
GlimmerBlocker installiert. Jetzt ist mein Safari so gut wie werbefrei und richtig snappy! Yay!
GlimmerBlocker ist ein
Ad-Blocker für Mac OS X. Die Software ist komplett Open Source unter GPLv3 und gratis.
Das wird jetzt wie immer ausführlich.
Wer wenig Geduld hat, liest nur die Abschnitte 2 und 3.
1. Wie funktioniert das überhaupt? Etwas Hintergrund für das Die-gerne-wissen-Volk
Werbung auf einer Internetseite folgt bestimmten Mustern. Oft werden die Banner nicht vom gleichen Server geladen, auf dem man sich gerade befindet, sondern von dem eines Werbeanbieters. Oder die URL der Werbung enthält gewisse Stichwörter wie "Ad". Oder die Grösse des Bildes entspricht der Standardgrösse von Werbebannern. Ein Ad-Blocker ist eine Ansammlung von Regeln, die solche Muster erkennen. Wenn etwas auf der Seite den Regeln entspricht, wird es nicht geladen. Es wird also nicht nur keine Werbung angezeigt, man hat auch noch Bandbreite gespart - die Seite wird insgesamt schneller geladen.
Die meisten Ad-Blocker funktionieren als Plug-In für den Browser. Das hat aber Nachteile: Wenn sich der Browser bei einem Update ändert, muss oft auch das Plug-In angepasst werden; wenn das Plug-In nicht stabil läuft, stürzt auch der Browser mit ab; ich kann nur für einen Browser Regeln definieren - wenn ich einen anderen Browser verwende, wird nichts geblockt.
GlimmerBlocker arbeitet anders: als HTTP-Proxy - ein Mittelsmann für HTTP. Was ist das? Ein Schaubild:
Anstelle dass Safari direkt auf eine Webseite zugreift, werden die Anfragen über den GlimmerBlocker umgeleitet: ein Java-Programm, dass auf eurem Mac läuft, die Anfrage entgegen nimmt und dann an die Webseite weiterleitet. Die Webseite liefert nun eine HTML-Seite zurück, die neben dem Text auch Bilder, Flash-Elemente und anderes enthält. Normalerweise würde nun der Browser sagen: "Ah, ein Bild und ein Flash-Element! Bitte Mr Server, die hätte ich auch noch gerne!" und automatisch neue Anfragen schicken. Hier setzt GlimmerBlocker nun ein: es überprüft, ob eine dieser zusätzlichen Anfragen wie Werbung aussieht. Wenn ja, wird die Anfrage gar nicht erst an den Server geschickt.
Also: kein Umleiten über einen Server, dem man vertrauen muss und der evtl. nicht immer online ist. Alles ist lokal, ihr habt die Verbindung und die Regeln unter Kontrolle. Safari stürzt nie ab, und wenn ihr mal Firefox benutzt, gelten immer noch die gleichen Regeln.
2. Los jetzt! Ich will! Die Installation
Die Installation von GlimmerBlocker ist einfach.
Herunterladen, das Disk Image öffnen und die Installation starten.
Wenn aufgefordert, das Admin-Passwort eingeben. Fertig! Kein Neustart notwendig, auch den Safari kann man offen lassen.
GlimmerBlocker installiert sich als eine Preference Pane in den Systemeinstellungen. Die Konfiguration macht man also dort, nicht in den Einstellungen vom Browser. Maximal schön intergriert!
Ausserdem ändert die Installation eure Netzwerkeinstellungen: es wird eben ein Proxy eingerichtet. Dazu wird in "Netzwerk/Weitere Optionen/Proxies" der "Web-Proxy (HTTP)" aktiviert und auf die Adresse 127.0.0.1 und den Port 8228 gesetzt. 127.0.0.1 ist immer die lokale Maschine.
Ihr müsst diese Einstellungen nicht selber vornehmen, die Installation übernimmt das für euch. Ich erwähne es hier nur für den Fall, dass ihr GlimmerBlocker entfernen wollt und bei der Deinstallation etwas nicht wie geplant verläuft. Dann bleibt nämlich der HTTP-Proxy aktiviert. Euer Browser wird nach wie vor den eingestellten Proxy befragen. Weil der aber deinstalliert wurde, kann er keine Anfragen entgegen nehmen und weiterleiten. Ihr werden den Eindruck haben, euer Internet sei kaputt. Ist das der Fall: einfach unter "Netzwerk/Weitere Optionen/Proxies" den "Web-Proxy (HTTP)" wieder deaktivieren (Haken weg).
3. Gut, fertig installiert! Was jetzt? Konfiguration!
Eigentlich ist jetzt keine weitere Konfiguration mehr nötig. GlimmerBlocker richtet gleich einige gute Standard-Regeln ein, die gleich Werbung unterdrücken. Es wird nicht perfekt sein und jedes einzelne Banner erwischen, aber einen grossen Teil.
Solltet ihr GlimmerBlocker ausschalten wollen: die Systemeinstellungen öffnen, unter "Sonstige" GlimmerBlocker auswählen und im "Setup"-Tab das Activate-Häkchen wegklicken.
4. Für Fortgeschrittene!
Nun ist zwar die meiste Werbung geblockt, ab und zu kommt aber trotzdem noch etwas durch. Kein Problem, die Regeln sind beliebig erweiterbar. Hier ein Beispiel mit Eurogamer.net (eine ganz tolle Seite übrigens!).
GlimmerBlocker beobachtet, was so vorbeifliegt, und schlägt mögliche Kandidaten für eine Sperrung vor, im Tab Suspects.
Das muss aktiviert sein, bevor ihr die Seite mit Werbung lädt; wenn es noch off war: aktivieren und die Seite noch einmal reloaden. Im Beispiel sehen wir nun, dass von "images.eurogamer.net" Flash geladen wird, das mit "ads" angeschrieben ist. Genau das wollen wir nicht. Darum auf "Create filter rule..." klicken und:
Bis und mit Host ist alles schon voreingestellt, so lassen. In diesem Beispiel würden nun aber alle Dateien blockiert, die von "images.eurogamer.net" geladen werden. Das wollen wir nicht, weil da ja auch normale Bilder drunter sein könnten. Deshalb stellen wir den Pfad auf "contains" und geben dort "/ads" ein. Nun werden nur Dateien blockiert, die von "images.eurogamer.net" kommen UND im Pfad irgendwo "/ads" drin steht.
Diese Regel wird unter Filters abgelegt. Ein Filter ist ein Set von Regeln. Ich habe hier ganz einfach einen neuen Filter namens "Meine eigenen Filter" gemacht (originell, nicht?) und dort ein paar Regeln definiert für Seiten, die ich häufig besuche. Das könnte man noch beliebig komplexer gestalten. Und darum:
5. Für noch Fortgeschrittenere!
Manchmal flutscht immer noch Werbung durch, ohne das sie dem Blocker verdächtig vorkommt. Dann erscheint sie auch nicht unter "Suspects". Darum machen wir nun eine Regel von Hand! Sofern man ein bisschen HTML-Code lesen kann, ist das ganz einfach.
Dazu müssen wir erst herausfinden, wie die Werbung aufgerufen wird. Wir schauen uns dazu den Quelltext der Seite mit Werbung drauf an. Rechte Maustaste oder Ctrl+Klick irgendwo im Browser und dann "Quelltext anzeigen".
Das öffnet ein Fenster mit dem Quelltext der Seite. In diesem Quelltext suchen wir nun (per Command+F) nach den Ads. Ich würde Stichwörter wie "Ad", "Banner", "Advert", ".swf" oder ähnliches ausprobieren.
So finden wir diesen Advertisement-Code und können folgern, dass vom Host "ox.eurogamer.net" und dem Pfad "/oa/" wohl nur Werbung kommt. Also "Filters" öffnen, "Meine eigenen Filter" anwählen und unten links auf das Plus für eine neue Regel. Und dort das eintragen:
Fertig! Sollte eine Regel mal zu viel blocken und eine Seite z.B. keine Bilder mehr anzeigen: nicht schlimm, einfach die Regel deaktivieren und
die Seite neu laden. Bearbeiten, ergänzen - oder halt ganz entfernen mit dem Minus unten links.
GlimmerBlocker könnte noch viel mehr, das überlasse ich aber euch:
- Wenn man eine bestimmte Seite von der Blockerei ausnehmen will, setzt man sie auf eine Whitelist.
- Regeln können auch mit Regular Expressions geschrieben werden und sind damit beliebig komplex. Ich liebe Regexp!
- Inhalt kann umgeschrieben werden (HTML, CSS). Beispiel: Youtube-Filmchen gleich in HD anzeigen anstatt immer auf den "Show in HD"-Knopf drücken. Oder die zigtausend Social-Media-Buttons unter jedem Artikel entfernen. Oder Comments gleich aufgeklappt anzeigen. Usw.
- Keyword Expansion in der URL! Anstelle im Browser die Adresse "wikipedia.org" und dann dort im Suchfeld "Grünspecht" einzugeben, gibt man in der Adresszeile des Browsers "wiki Grünspecht" ein. Cool!
Alternativen für Windows: