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Die Scorpions, die Simpsons und die Kinderpornografie

In Grossbritannien führte ein Cover der Scorpions aus den 70ern auf Wikipedia dazu, dass die meisten britischen Internet-Provider einige Tage lang Wikipedia sperrten (oder präziser: einige sperrten Wikipedia ganz, andere den Artikel zu "Virgin Killer", wieder andere nur das Bild). Die ISPs setzten dabei eine Empfehlung der Internet Watch Foundation um, die das Bild auf eine schwarze Liste setzte. Nach dem Proteststurm der Wikipedia-Benutzer krebste die IWF nun zurück; nicht, weil sie das Bild nicht mehr für Kinderpornografie halten, sondern weil das Bild so weit verbreitet sei und schon so lange existiere, dass eine Sperrung nichts helfe:

"[I]n light of the length of time the image has existed and its wide availability, the decision has been taken to remove this webpage from our list. [...] IWF’s overriding objective is to minimise the availability of indecent images of children on the internet, however, on this occasion our efforts have had the opposite effect. We regret the unintended consequences for Wikipedia and its users.IWF statement regarding Wikipedia webpage

Wikipedia in Großbritannien entsperrt (Heise)
Wikimedia, IWF respond to block of Wikipedia over child pornography allegations (Wikinews)
IWF backs off of Scorpions Wikipedia block after criticism (Ars Technica)
Great Firewall of Britain (Ian Nock)

Im zweiten Fall geht es um einen Mann, der von einem australischen Gericht zu einer Busse verurteilt wurde, weil er Bilder besass, die Bart, Lisa und Maggie Simpson bei sexuellen Aktivitäten zeigen. Der Mann ging in Berufung, mit dem Argument, dass es sich nicht um Darstellungen echter Kinder handle, sondern um Cartoon-Figuren. Dieser Argumentation folgte der Supreme Court des Bundesstaates nicht: "[T]he word “person” included fictional or imaginary characters and the mere fact that the figure depicted departed from a realistic representation in some respects of a human being did not mean that such a figure was not a “person”. [... ] Accordingly, the appeal must be dismissed. As this is the first case dealing with a difficult issue, each party will pay its own costs."

Australisches Gericht: Die Simpsons sind "Personen" (Heise)
Cowabunga! Simpsons porn on the PC equals child pornography (Ars Technica)
McEWEN v SIMMONS & ANOR [2008] NSWSC 1292 (Entscheidung des Supreme Court von New South Wales)

Der erste Fall liegt für mich recht klar: eine Beschwerde einer nicht-gerichtlichen Instanz darf nicht dazu führen, dass Internet-Provider gleich die ganze Wikipedia sperren. Das ist eine absurde Überreaktion.

Die Simpsons-Porno-Frage scheint mir komplexer zu sein, weil es im Berufungsprozess vor allem um die Frage ging, welche Form der Darstellung denn als "Person" gelten kann. Dass man sich hier nicht auf Fotos beschränken soll, leuchtet mir ein.

Darum die Frage an die Strafrechtsspezialisten unter euch: Wie würde das in der Schweiz beurteilt? Ist eine Zeichnung von Kindern bei sexuellen Akten auch Kinderpornografie? Wo ist die Grenze zu Werken wie "Lolita" (dessen Besitz meines Wissens auch in Australien keine Busse nach sich zieht)? Was ist mit den anderen hierzulande illegalen Formen der Pornografie (Körperausscheidungen)? Wird da zwischen Foto und Zeichnung unterschieden? Oder ist die Darstellungsform zweitrangig und die Absicht des Erzeugers/Benutzers entscheidend?

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Muslime vs. Little Big Planet

Am Mittwoch hätte Little Big Planet in die Läden kommen sollen. Little Big Planet ist das Flagschiff für Sonys Playstation 3 in diesem Weihnachtsgeschäft, ein mit grosser Spannung erwarteter Titel. Und Little Big Planet kommt nicht wie angekündigt am Mittwoch, sondern erst zwei Wochen später.

Warum? Im europäischen Playstation-Forum hat sich "yasser" beschwert, dass in einem Track der Hintergrundmusik einige Koran-Zitate verwendet werden. Er findet und fordert:

"We Muslims consider the mixing of music and words from our Holy Quran deeply offending. We hope you would remove that track from the game immediately via an online patch, and make sure that all future shipments of the game disk do not contain it."

Und genau dieser Forderung ist Sony nun nachgekommen: alle Discs (die bereits zu den Händlern unterwegs waren), wurden heute zurückgerufen. Neue Discs werden gepresst und verspätet ausgeliefert. Ich kann mich bei Games an keine Rückrufaktion dieser Grössenordnung erinnern. Sony konnte mir nicht sagen, was die Aktion kostet; auch nicht, ob der Track ganz entfernt wird, oder nur einzelne Anstoss erregenden Passagen.

Der Track ist ein Stück von Toumani Diabaté, einem erfolgreichen Musiker aus Mali: Grammy vor drei Jahren, Zusammenarbeit mit Taj Mahal, Damon Albarn, Björk, Ry Cooder. Laut Wikipedia wird er "von vielen Menschen als der beste Koraspieler der Welt bezeichnet". Ich höre die von "yasser" beschreibenen Passagen nicht genau heraus, mir ist auch nicht klar, ob die Koran-Samples für Little Big Planet hinzugefügt wurden oder ob sie schon in Diabatés Original enthalten sind.

Ich kann die Entscheidung Sonys zwar nachvollziehen. Little Big Planet ist ein globaler Release, erscheint also in einigen muslimischen Ländern. Man wollte kein Risiko eingehen - hatte Angst vor einem zweiten Dänemark.

Trotzdem finde ich den Entscheid falsch. Abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass "yasser" für alle Muslime spricht: Dieser Grad von muslimischer Empfindlichkeit darf sich nicht als Präzedenzfall etablieren.
Das ist natürlich einfach daher gesagt, wenn es nicht die eigenen Gefühle sind, die verletzt werden. Gerade in der aktuellen weltweiten Auseinandersetzung mit dem Islam und seinen verschiedenen Ausprägungen braucht es aber auf allen Seiten eine dickere Haut. Wenn man schon mit Hintergrundmusik in Spielen ein Problem hat, wie soll man sich dann über politische Differenzen unterhalten?

Man vergleiche mit dem regelmässigen Kleintheater, wenn Marilyn Manson ein Gastspiel hält. Einige Ultrareligiöse protestieren gegen die anti-christliche Symbolik und fühlen sich zutiefst verletzt. Die Empfindung wird von der breiten Öffentlichkeit nicht geteilt: man reagiert auf Manson amüsiert bis gelangweilt.

Diese Gleichgültigkeit gegenüber dem Gebrauch von religiösen Symbolen möchte "yasser" verhindern, und er ist bereit, dafür den Preis zu zahlen, die Freiheit von Kunstschaffenden zu beschränken.

Es ist deshalb feige, das Sony dem Druck einer religiösen Minderheit nachgibt. Man kann sich nicht auf der einen Seite über christliche Fundis lustig machen, wenn sie vor dem Hallenstadion demonstrieren, aber dann den muslimischen Fundis nachgeben, weil man Angst vor gewalttätigen Protesten hat.

Die Entwickler von Little Big Planet, Media Molecule schreiben:
"As some of you may have noticed, LBP has been slightly delayed in some territories. At MM we were as shocked and dismayed by this as anyone - shellshocked and gutted. [...] We learnt yesterday that there is a lyric in one of the licensed tracks which some people may find offensive, and which slipped through the usual screening processes. Obviously MM and Sony together took this very seriously. LBP should be enjoyable by all."

Das ist nobel, aber unmöglich. Man kann es nicht jedem Radikalen recht machen. Ich vermisse Rückgrat.

Was meint ihr?

Update:

Wie angenommen teilen nicht alle Muslime die Auffassung von "yasser". Das American Islamic Forum for Democracy sagt gegenüber EDGE Online:

"Muslims cannot benefit from freedom of expression and religion and then turn around and ask that anytime their sensibilities are offended that the freedom of others be restricted. [...] The free market allows for expression of disfavor by simply not purchasing a game that may be offensive. [...] To demand that [the game] be withdrawn is predicated on a society which gives theocrats who wish to control speech far more value than the central principle of freedom of expression upon which the very practice and freedom of religion is based. [...] The fact that the music writer is a devout Muslim should highlight that at the core of this issue is not about offending ‘all Muslims,’ but only about freedom of expression and the free market."

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Sri Lanka sperrt Internetporno

Nein! Wie können sie! Dabei ist das Internet doch für Porno gemacht!

The Internet Is For Porn  


Finden die Behörden in Sri Lanka jedenfalls nicht. Und darum verpflichten sie nun die Internet-Provider im Land, "obscene, pornographic and other sexually explicit material" zu filtern. Männer und Frauen mit Bedürfnissen können sich einen ungefilterten Zugriff kaufen; sind dann allerdings dafür verantwortlich, dass keine Minderjährigen diesen verwenden.

Sri Lanka bans Internet porn (Phillipine Inquirer)

Wer bestimmt, was gefiltert wird und was nicht, ist nicht klar (die Provider? die Telecommunications Regulatory Commission?). Dass auch politisch motivierte Sperrungen vorgenommen werden können, hat jene Kommission schon mit der Sperrung der separatistischen Site Tamilnet.com gezeigt.

Keine neue Idee übrigens: Australien hat auch schon damit experimentiert. Nicht für ganz Australien, sondern testweise mal für Tasmanien. Warum gerade die Pornofreunde in Tasmanien daran glauben müssen, ist mir nicht ganz klar. Muff wäre ich aber auch als nicht-tasmanischer Steuerzahler: hat Australien doch bereits über 180 Millionen Franken in untaugliche Filtertechnologie investiert.

Australia moving ahead with plans to erect ISP porn filters (Ars Technica hat "erect" getitelt, chchch)

Der Song stammt übrigens aus diesem Musical: Avenue Q

"Why do you think the net was born? Porn, porn, porn!"

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Bully Herbig ist es langweilig

Bully Herbig, bekannt dank kulturellen Höhepunkten wie "Schuh des Manitu" und "Traumschiff Surprise", hat grade gar nichts zu tun.


Und deshalb klagt er gegen das Game "Bully" und will es verbieten lassen. Es bestehe Verwechslungsgefahr, mit ihm, dem wahren Bully. Und er wolle nicht mit einem "Gewaltspiel" in Verbindung gebracht werden. Die Verwechslungsgefahr bestehe v.a. auch, weil Take Two (Vertrieb von Rockstar und damit dem Game Bully) auch das Spiel "Traumschiff Surprise" vertreibe.

"Bully" Herbig klagt gegen Computerspiel "Bully" (Heise)


Damit beweist Bully, was ich schon länger vermutet habe: nicht nur seine Witze sind hirntot, sondern er selber auch. Klar, jemand, der sein beträchtliches Vermögen vor allem mit schlechten Witzen über Schwule verdient, kann den etwas subtileren Humor im Game Bully natürlich nicht verstehen.


Bully ist genau so wenig ein Gewaltspiel, wie Traumschiff Surprise ein Science-Fiction-Film ist. Wer das Spiel auch tatsächlich mal gespielt hat, weiss, dass die Hauptfigur unter Bullys leidet, und eigentlich nur in Ruhe gelassen werden will. Die anlässlich der Veröffentlichung des Spiels geführte Diskussion, ob das Spiel echte Schul-Bullies verherrliche, ist ebenso lächerlich wie die Klage Herbigs.

Das deutet übrigens auch die Vorsitzende der Münchner Zivilkammer an: sie habe "Probleme mit der Anspruchsgrundlage", meint sie in wunderbarem Amtsdeutsch. Weder sei Herbig als Spieleproduzent bekannt, noch sei sicher, ob Verwechslungsgefahr auch eingeklagt werden könne, wenn ein Titel nicht mit einem anderen Titel, sondern mit einem Künstler-/Spitznamen verglichen wird.

Die Anwältin von Herbig heisst übrigens Dörrenberg-Berger. Ist nicht mit mir verwandt; ich möchte in Zukunft aber Guidoberg Bergerberg-Berger genannt werden.

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Schenkt dem Iran eine Penispumpe

Der ultimative internationale Penisvergleich sind Raketen. Wie weit sie fliegen, wieviel Bumms sie haben, wie gross sie sind. Wir kennen die Paraden aus dem Kalten Krieg, wir kennen die Situation in Nord Korea, wir reden über den Atom-Doktor aus Pakistan, und immer wieder ist auch der Iran am Start.

Diese Woche ging ein Bild um die Welt, das iranische Raketentests zeigt; Porno für Macht-Politiker sozusagen.

Ein paar Adleraugen von der New York Times haben jetzt allerdings festgestellt: da hat jemand nachgeholfen. Es deutet alles daraufhin, dass auf der ursprünglichen Fotografie nur drei Raketen abgeschossen werden. Offenbar hat das dem iranischen Militär nicht gereicht, erst bei 4! Raketen wird es warm in der Hose.

In an Iranian Image, a Missile Too Many (The Lede, Blog der New York Times)

(Illustration der New York Times; Foto von Agence France-Presse)

Der Spott liess nicht lange auf sich warten: die Blogosphere machte schnell weitere Photoshop-Vorschläge, z.B.:


Iran: You Suck At Photoshop (BoingBoing)

Neben der ganzen Witzelei darf man allerdings nicht vergessen, dass die Menschen im Iran:

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Geschlechtsunterschiede und Sexismus in Spielen

Das neue MMORPG Age of Conan ist zwar noch jung, hat aber schon ein Paar Skandälchen auf dem Buckel resp. vor dem Brustkorb, chch. Bei beiden geht es nämlich um die Rolle der Frau:

 
1. Brüste von weiblichen Spielfiguren werden über Nacht kleiner
 
Da hat man sich grade eine schöne neue Kriegerin erstellt, komplett mit Leder-BH und kriegsverhindernder Oberweite. Als man eines morgens einloggt, muss man feststellen, dass letzteres Attribut über Nacht mysteriöserweise geschrumpft ist! Das geht natürlich gar nicht! Proteststurm Nummer 1 bricht aus:
Age Of Conan Girls Get Accidental Boob Job
 
Funcom (die Herstellerfirma von Age of Conan) reagiert schnell, wenn auch etwas überrascht. Die geschrumpften Brüste seien ein Fehler, ganz unabsichtlich, und würden sofort korrigiert.
Breast outcry "very surprising" to Funcom 
 
Ich kann das zwar nicht beweisen, aber ich nehme jetzt einfach mal an, es waren vor allem männliche Spieler, die sich über den Boob Job ihrer weiblichen Spielfigur beschwert haben. 
 
Kaum hatte sich der Trubel um die Brust gelegt, kam das nächste Frauenproblem, und damit Proteststurm Nummer 2:
 
2. Weibliche Charaktere haben andere Attribute als ihre männlichen Entsprechungen
 
Einige Spieler bemerkten nämlich, dass weibliche Charaktere ihre Schwerter etwas langsamer schwingen als Männer. Das ist unüblich in Rollenspielen: normalerweise gibt es verschiedene Rassen und Klassen zur Auswahl, alle mit unterschiedlichen Attributen - die einen sind stärker, andere intelligenter etc. In der Regel ist jede Spielfigur in einer weiblichen und einer männlichen Ausgabe zu haben, das Geschlecht hat aber nie einen Einfluss auf das Spiel - ist also nur Kostüm.
 
Dieses ungeschriebene Gesetz hat nun Age of Conan gebrochen. Das geht natürlich nicht!
Age of Conan Penalizes Female Characters
 
Auch hier musste Funcom schnell Besserung versprechen; was in diesem Fall aber schwierig ist, weil sehr viele (rund 1000) weibliche Animationen von Hand angepasst werden müssen:
'Three To Four Weeks' to Fix Sexist Age of Conan Bug
 
Warum ist das eigentlich ein ungeschriebenes Gesetz? Warum ist es sexistisch, wenn eine Frau ihr Schwert etwas langsamer schwingt als der deutlich grössere und breitere Mann? Warum ist es aber umgekehrt total in Ordnung, wenn Gnome intelligenter sind als Zwerge? Mit anderen Worten: "Sexismus" ist schwer verboten, "Rassismus" aber gehört zum Spiel? Doppelmoral-Alarm
 
Klar, Spieler gingen bei der Auswahl ihrer Kriegerin (Ha! Mein Rechtschreibeprogramm kennt "Kriegerin" nicht! Sexismus im Spellcheck!!) davon aus, dass alles so wie immer ist (wie man es gewohnt ist von anderen RPGs), und das Geschlecht eben keinen Unterschied macht. Wenn Funcom von Anfang an gesagt hätte, Frauen sind im Fall langsamer, würde man im Spiel wohl nur wenige weibliche Wesen antreffen. Was irgendwie aber noch gut in die Welt von Age of Conan passen würde, nicht?
 
Und irgendwie ist die Ironie schon sehr süss: der Junge, der sich extra eine Frau als Spielfigur ausgesucht hat, damit er auch was schönes anzuschauen hat, wird dafür bestraft - zuerst werden ihre Brüste kleiner und hindern sie dann noch beim Schwertkampf.
 
Grundsätzlich finde ich ja: im Spiel ist jedes Klischee erlaubt. Eine Regel ist eine Regel und die sollte man nicht ins richtige Leben übertragen. Wenn man beim Schach den Bauern opfert, protestiert die SVP auch nicht dagegen. Deshalb gehören Sexismus- und Rassismus-Debatten nicht an den Spieltisch. Und dass jetzt der Sexismus-Vorwurf gegenüber einem Spiel wie Age of Conan ausgepackt wird, ist so absurd, dass es schon wieder lustig ist.
AoC ist ein Fantasy-Spiel, das Frauen so darstellt:
 
 
Daran ist ja gaar nichts sexistisch, AUSSER eben, dass die Dame etwas langsamer prügelt als ihre Machokollegen. Diskutiert wird das übrigens wohl praktisch unter Ausschluss der Frauen - von Spielern und Entwicklern von Age of Conan, grösstenteils männlich. Naja. Das ist ein bisschen, als würde man Geschlechterfragen anhand eines Pornomagazins diskutieren...
 
... oops, sorry, Emma.

 

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Herzige Tierli auf BoingBoing

Dieses Video (und viele andere) mit herzigen Katzen wurde diese Woche auf BoingBoing gepostet:


 
Auf den überraschenden Schluss warten!
 
Jetzt aber ernst: Normalerweise beschäftigt sich BoingBoing z.B. mit Privatsphäre und anderen Digital-Lifestyle-Themen. Warum plötzlich dieser Jööh-Anfall?
 
Weil die Boinger diese Woche einen unangenehmen Blogosphere-Sturm durchstehen mussten. Dabei geht es um die Sex-Kolumnistin Violet Blue. Blue hatte auch einige Male auf BoingBoing gepostet. Vor knapp zwei Wochen musste Blue feststellen, dass ihr Inhalt von BoingBoing verschwunden war.
 
 
Bald wurde klar, dass das kein technisches Problem war, sondern eine gezielte Löschung durch die BoingBoing-Admins. Die Blogosphere geriet in Aufruhr, die Gerüchte und Theorien schossen ins Kraut.
 
 
Weiter angeheizt wurde die Kontroverse durch den Umstand, dass sich BoingBoing sonst immer für Transparenz und Redefreiheit stark macht. Für viele war diese Löschung ein Verrat an den eigenen Prinzipien. Und die Boinger schwiegen lange, was die Wogen nicht glättete. Und als sie sich schliesslich doch zu einem Statement durchrangen, war dieses alles andere als erhellend:
 
 
Die Kontroverse wurde sogar in der L.A. Times aufgegriffen:
 
 
Bis jetzt ist der Grund für die Löschung nicht bekannt. Das Bedürfnis nach etwas kuschelig unschuldigem stieg jedenfalls stark an.
 
Für die Löschung spricht:
- BoingBoing ist ein privates Blog und kann löschen, was sie wollen.
- Private Probleme muss man nicht ausplaudern.
 
Und gegen die Löschung spricht:
- Wer sonst Transparenz und Redefreiheit einfordert, muss selber gerade in belastenden Situationen diese Ideale hochhalten.
- BoingBoing ist einflussreich und wird von sehr vielen Leuten gelesen und kann sich deshalb nicht mehr auf die "Wir sind privat"-Position zurückziehen. Eine Zeitung gehört auch einem Privaten, hat aber trotzdem einen öffentlichen Auftrag.
- Warum löschen? Nichts mehr neues publizieren hätte auch gereicht.
 
Ich tendiere eher zu letzterem. Blogger können nicht dauernd die gleichen Rechte wie offizielle Medien einfordern, und sich dann beim einem schwierigen Fall aus der Verantwortung stehlen. Rechte bringen Pflichten mit sich.
 

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