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Google Translate: "grossmutter" = "blowjob"

Über eine Redaktionskollegin (danke, Ursula!) kam mir zu Ohren, dass Google Translate der Meinung ist, dass "grossmutter" am besten mit "blowjob" übersetzt wird. Und zwar nicht nur Deutsch - Englisch, sondern auch in sehr vielen anderen Sprachen.

Aufgefallen ist das bis jetzt nur wenigen, man sagt mir, dass ein Email im italienischen Sprachraum die Runde mache, schriftlich habe ich nur diesen einen Blogpost gefunden.

Was steckt dahinter? Nachdem ich Beweismaterial gesammelt hatte (diese Screenshots), habe ich bei Google angefragt. Dort hatte man den Fehler noch nicht bemerkt, korrigierte ihn aber natürlich sofort ("grossmutter" wird jetzt korrekt übersetzt, Tschuldigung, ich bin schuld). 

Zuerst eine Beschreibung des Fehlers:

  • Google Translate übersetzt in 52 Sprachen.
  • "Grossmutter" (mit einem grossen G) oder "Großmutter" (mit dem scharfen S) werden korrekt übersetzt, der Fehler taucht nur auf, wenn man "grossmutter" mit Doppel-S und kleinem g schreibt.
  • "grossmutter" wird in 38 Sprachen mit "blowjob" oder "Blowjob" oder "blowjobs" übersetzt (z.B. Englisch, Französisch, Albanisch, etc.).
  • 9 Sprachen haben andere Schriftsätze (Chinesisch, Japanisch, Griechisch etc.), dort kann ich mangels Kenntnis nicht feststellen, ob es eine korrekte Übersetzung oder einfach das chinesische, japanische Wort für Blowjob ist.
  • In 5 Sprachen wird "grossmutter" in Übersetzungen/Slang von Blowjob übersetzt (z.B. schwedisch: "avsugning", spanisch/katalanisch: "mamada", polnisch: "oral").
     

Bei Google widersprach man meiner ersten Vermutung, dass der Fehler durch die "Eine bessere Übersetzung vorschlagen"-Funktion entstand; dass also jemand sich einen Scherz machte und "blowjob" als Übersetzung vorschlug, und dass das irgendwie ungeprüft ins Live-System rutschte. Google sagt, dass alle Vorschläge von Menschen geprüft werden, was es sehr unwahrscheinlich macht, dass eine solche Lausbuben-Übersetzung durchkommen könnte.

Man verwies mich stattdessen an Jeff Chin in Singapur, den Product Manager von Google Translate. Er erklärte mir, wie der Fehler entstehen konnte. Zunächst: Es gibt zwei verschiedene Wege, wie man maschinelle Übersetzung angehen kann: entweder mit Regeln, oder per Statistik.

Die Regel-Methode arbeitet mit Computerlinguistik, versucht also, die Regeln einer Sprache zu definieren und so Methoden der Übersetzung abzuleiten. Die meisten kommerziell schon länger erhältlichen Produkte arbeiten so. Computational Linguistics ist komplex, Spezialisten sind rar, die Produkte, die daraus entstehen, deshalb teuer.

Die Statistik-Methode wertet dagegen zwei Dokumente mit dem gleichen Inhalt in zwei verschiedenen Sprachen aus (das eine ist bekannt als eine Übersetzung des anderen) und versucht so, Wörter und Wortgruppen einander zuzuordnen. Zusätzlich wird auch die Sprache selber statistisch analysiert (welche Wortgruppen sind häufiger als andere z.B.). Aus diesen statischen Daten werden dann Übersetzungsalgorithmen abgeleitet.

Google Translate gibt es schon seit 2001; Google arbeitete damals aber noch mit einer lizensierten Technologie einer Drittfirma (mit der Regel-Methode). Seit 2004 betreibt man selber Forschung im Bereich der Statistik-Methode; auch unterstützt von der US-Regierung, fokussiert auf chinesisch und arabisch. Später weitete man die Arbeit auf andere Sprachen aus und begann, das Produkt allen zugänglich zu machen. Mittlerweile benutzt Google Translate nur noch Google-eigene Technologie.

Die statistische Methode macht für Google sehr viel Sinn: Wohl niemand sonst hat Zugriff auf eine solche Datenmenge und Prozessor-Kraft. Und es ist klar, dass eine statistische Methode umso besser wird, je mehr Daten man ihr verfüttern kann. Chin sagt mir, dass die Qualität der Übersetzung von vielen Faktoren abhängt (sprachspezifisch, auch abhängig vom Inhalt), dass sie aber gut wird bei einigen Millionen Wörtern als Grundlage für die statistische Analyse.

Trotzdem schlug die Methode bei "grossmutter" fehl. Hier wurde das Doppel-S zum Stolperstein: weil die meisten Deutschsprachigen "Großmutter" mit dem scharfen S schreiben, reduziert das Doppel-S die Datengrundlage stark. In welchem Zusammenhang diese Blowjob-Zuordnung genau passierte, darf sich jeder gerne selber ausmalen (wer es expliziter braucht, stellt bei einer Suche nach den beiden Begriffen fest, dass sie sich durchaus häufig in der Nähe von einander befinden können). Es ist klar, dass ein statistisches System nie völlig fehlerlos sein kann, dass es gerade ein so peinlicher Fehler war, ist schlicht Pech.

Also gut, eine einzelne falsche statistische Zuordnung ist erklärbar. Warum dann aber die falsche Übersetzung in so vielen verschiedenen Sprachen? Diese Erklärung ist einfach: Google Translate übersetzt nie direkt von Deutsch z.B. auf Französisch (Haha! Entschuldigung.), sondern macht immer den Umweg über Englisch. Also Deutsch -> Englisch -> Französisch. Google legt die ganzen statistischen Analysen immer in Bezug auf Englisch an - das ist nachvollziehbar, weil der Aufwand bei so vielen Sprachen schlicht zu gross wäre, wenn man die statistischen Auswertungen direkt für jede mögliche Sprachkombination anlegen würde.

Damit ist nicht nur erklärt, warum die falsche Übersetzung in vielen Sprachen auftritt (weil die Übersetzung von Deutsch in Englisch schon falsch ist), sondern auch, warum es in einigen Sprachen zu Abwandlungen von "blowjob" kommt (weil in diesen Sprachen dann das englische "blowjob" korrekt auf spanisch oder schwedisch übersetzt wurde).

Korrigiert hat man den Fehler übrigens manuell, also von Hand in einer Datenbank eingetragen, dass die statistisch gewonnene Übersetzung falsch ist. So kann man schnell auf Fehler reagieren und sich in Ruhe dran machen, die statistisch generierte Übersetzung zu verbessern. Wenn die Algorithmen verändert werden, kann man dann überprüfen, ob die Fehler nun nicht mehr auftreten.

So ist das. Ich bin gespannt, ob dieser Post nun Leute anzieht, die auf der Suche nach etwas ganz anderem waren.

 

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Ostafrika erhält schnelles Internet

Es ist schon lange her, dass eine Fussball-WM etwas wirklich gutes gebracht hat. Für Afrika hat sich die WM nächstes Jahr in Südafrika jetzt schon gelohnt: Soeben wurde das SEACOM-Unterseekabel fertig gestellt. Dieses Kabel verbindet Europa und Indien mit Ostafrika und bringt damit schnelles und günstiges Internet über eine 1.28 Terabit/s-Leitung.

(Alle Bilder: seacom.mu)

Das 17'000 Kilometer lange Kabel kommt von London und Marseille und schliesst Ras Sidr (Ägypten), Jeddah (Saudi Arabien), Djibouti, Mombasa (Kenia), Dar es Salaam (Tansania), Toliary (Madagascar), Maputo (Mozambique) und Mtunzini (Südafrika) an. Am Horn von Afrika zweigt das Kabel ausserdem nach Osten ab und verbindet Mumbai in Indien. Bald sollen ausserdem noch Addis Abeba (Äthiopien) und Kigali (Ruanda) angeschlossen werden.

(Eine Verbindungsbox mit Fiber Loopbacks.)

Bisher war Ostafrika nur über Satelliten ans Internet angeschlossen. Diese Leitungen sind im Vergleich zu Unterseekabeln langsam und teuer. Mit dem neuen Kabel erhält Afrika also schnelles und günstiges Internet. Nicht nur im Osten: Auch an der Westküste sind verschiedene Kabel im Bau (Glo-1, WACS). Das wird nicht nur mehr Kapazität geben, sondern auch Wettbewerb und damit günstigere Preise für die Benutzer. Insgesamt werden bis 2011 2.4 Milliarden US Dollar investiert.

Aus persönlicher Erfahrung weiss ich, dass Internet-Verbindungen nach Afrika bisher sehr wacklig und langsam waren. Ein einfacher Text-Chat mit Antananarivo (Madagascar) war nie ohne Unterbrechungen möglich. Jetzt müsste sogar Videochat möglich werden - ein gewaltiger Sprung.

(Ein Pflug wird gewassert. In Küstennähe wird das Kabel damit eingegraben.)

Wie schnell diese schöne neue Kapazität aber wirklich bei den Endkunden ankommt, ist noch offen. Laut der BBC bieten z.B. kenianische Internetprovider zwar schon höhere Kapazitäten an, aber keine tieferen Preise. Zumindest für Firmenkunden sollen die Preise fallen: von 3000 Dollar (!!) für ein Mbit/s auf 600 pro Monat (die Angaben der BBC schlüsseln leider nicht auf, wieviel down/upload; zum Vergleich: bei uns kriegt man 1 Mbit/s upload und 10 - 20 Mbit/s download für 45-70.-; also grob zehn mal mehr Daten für zehn mal weniger Geld!).

Dennoch werden grosse Teile der Bevölkerung Ostafrikas noch länger keinen wirklich billigen Internetzugriff haben. Zum einen sind natürlich zusätzlich regionale Kabelnetze notwendig. Weil die über Land gezogen werden müssen, sind sie entsprechend teuer - und werden meist nicht von internationalen Konsortien gebaut (wie die Unterseekabel), sondern von den afrikanischen Staaten selbst. Und zum anderen haben die meisten ländlichen Regionen selten zuverlässige Stromnetze. Trotzdem: gerade für Schulen wäre der Anschluss ans Internet ein unglaublicher Gewinn.

Seacom goes live (Seacom)
Seacom Progress Map (Seacom)
Photos (Seacom)

Seekabel bringt schnelles Internet nach Ostafrika (Heise)

East Africa gets high-speed web (BBC)

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Uuuse the Fooorce, Luuuke! Emotiv Headset im Test


Am diesjährigen Tweakfest hatten Kollega Müller und ich die Gelegenheit, das Headset von Emotiv Systems zu testen. CEO und Cofounder Nam Do zeigte uns, wie das Teil funktioniert. Nam hatte einen Prototypen dabei; das Produkt soll noch dieses Jahr in den Verkauf kommen, für lediglich 300 Dollar.

Das Emotiv EPOC ist eine helmartiges Gebilde mit einer Reihe von Sensoren, die Hirnströme messen und drahtlos an eine Software übermitteln. Die Software interpretiert diese Hirnströme und ordnet die Muster bestimmten Gedanken zu. Man trainiert das System, indem man sich auf eine bestimmte Aktion konzentriert und das dabei erzeugte Hirnstrom-Muster misst. Später kann dann dieses Muster erkannt und erneut der Aktion zugeordnet werden. So wird es möglich, per Gedanken eine Aktion auszulösen.

Wenn man das Headset aufsetzt, wird es zuerst kalibriert, indem man einfache Gesichtsausdrücke macht und überprüft, ob ein Gesicht in der Software die Bewegungen richtig nachmacht. Mit den Augen blinzeln, lächeln, auf die Stockzähne beissen - und bei Bedarf entsprechende Empfindlichkeitsregler verstellen. Währenddessen misst die Software ständig einige Grundwerte wie Aufmerksamkeit, Aufgeregtheit, Ärger. Die Aufmerksamkeitskurve ist z.B. besonders spannend zu beobachten, wenn man seinem Gesprächspartner zuhört und peinlich berührt bemerkt, wie die Aufmerksamkeit sinkt...


Nun beginnt das eigentliche Training. Es geht darum, einen orangenen Würfel zu manipulieren, in dem man sich auf eine bestimmte Aktion konzentriert. Dazu wählt man sich zunächst eine einzige aus, ich wählte "Im Uhrzeigersinn drehen". Nam Do forderte mich auf, an gar nichts zu denken und mich zu entspannen. Dann misst die Software den Grundaktivität des Gehirns, sozusagen das Grundrauschen. Dann erhielt ich die Anweisung, mich auf Kommando ganz stark darauf zu konzentrieren, den Würfel zu drehen (was ich ausserdem mit einer entsprechenden Handbewegung in der Luft unterstützen konnte). Die dabei entstehenden Hirnströme wurden während 8 Sekunden von der Software aufgezeichnet. Und schon liess sich das Drehen des Würfels reproduzieren: wenn ich mich darauf konzentrierte, drehte sich der Würfel. Daran zu denken, einen Würfel zu drehen, und den dann tatsächlich drehen zu sehen: aufregend!

Ich habe versucht, mir sowohl einen sich drehenden Würfel vorzustellen, als auch den Satz "Dreh dich nach rechts" zu denken. Nam Do sagt aber, dass die Methode des Einzelnen keine Rolle spielt, weil die aufgezeichneten Muster ohnehin individuell sind. Und wie üblich gilt: je mehr man die Software trainiert, desto besser wird sie.


Den Würfel anzuhalten, fand ich schwieriger, als ihn in Bewegung zu versetzen. Ein eigenartiger Feedback-Loop: weil ich den Würfel drehen sah, dachte ich an einen drehenden Würfel, was ihn in der Drehung hielt. Gezielt an nichts oder etwas anderes zu denken, erfordert einiges an Gedankenkontrolle. Das Erlebnis hatte deshalb etwas Zen-Artiges, Meditatives: der Wechsel zwischen Konzentration und Entspannung, der Versuch, nur einen möglichst klaren Gedanken zu fassen.

Nach den Dreh-Übungen ergänzten wir mein Training um eine zweite Aktion: den Würfel verschwinden zu lassen. Wieder das gleiche Prozedere: 8 Sekunden langt konzentriert aufzeichnen, danach versuchen, zu reproduzieren. Die aufgezeichneten Muster können ausserdem mit weiteren Aufzeichnungen verbessert werden.

Also eine weitere Schwierigkeit: zwei verschiedene Aktionen ausführen. Es fiel mir nicht leicht, diese auseinander zu halten. Ich würde aber sagen, dass ich mindestens einmal das Gefühl hatte, wirklich kontrolliert den Würfel verblassen und dann drehen zu lassen. Diesen Grad von Kontrolle mit nur einer halben Stunde Training zu erreichen, ist eine beachtliche technologische Leistung der Emotiv-Software. Nam Do sagt, dass seine Entwickler bis zu acht Aktionen gleichzeitig ausführen können - an acht Dinge gleichzeitig denken und die auch ausführen. Also den Würfel nach hinten schieben, gleichzeitig verblassen, drehen etc.


Das Emotiv Headset soll eine traditionelle Eingabemethode nicht ganz ersetzen - eine Ergänzung ist sinnvoller, realistischer und auch praktischer. Ein Email nur zu denken, und schon steht es geschrieben auf dem Bildschirm - dazu ist die Technologie definitiv nicht fähig. Aber z.B. einen Text zu markieren (mit der Maus), zu kopieren (mit der Tastaturkombination) und dann die Applikation zu wechseln (per Gedanken) scheint mir eine gelungene Kombination.

Besonders aufregend finde ich den Einsatz in Games (Nam Do sagt, dass sie mit vielen grossen und kleinen Entwicklern in Kontakt stehen, es gibt SDKs). Auch hier geht Nam Do nicht davon aus, dass ein Kontroller vollständig ersetzt wird. Stattdessen werden bestimmte Aktionen vom Emotiv übernommen. Als Beispiele denke man sich ein Abenteuer-Spiel, im Martial-Arts-Umfeld. Man steuert die Spielfigur wie gewohnt über die Tasten und Sticks des Kontrollers. An einem bestimmten Punkt in der Geschichte lernt man aber eine neue Fähigkeit, z.B. zu schweben. Und diese Fähigkeit wird nun per Gedanken und Emotiv gesteuert. Man würde also z.B. über Abgründe schweben können, nicht, indem man eine bestimmte Tastenkombination drückt, sondern indem man sich darauf konzentriert!

Damit würde das System auch inhaltlich sinnvoll in ein Spiel eingebunden. Man kann sich ausmalen, welchen Einfluss das auf die Immersion in der Spielwelt hätte! Rennen weiterhin mit dem Stick, Schlagen mit einem Knopf, aber Schweben oder Arkanblitze schleudern mit den Gedanken. Bei $300 muss ich da nicht lange überlegen, ob ich das will.

Weil die Software ausserdem laufend Aufregung oder Frustration misst, wäre es ausserdem denkbar, z.B. den Schwierigkeitsgrad des Spiels in Echtzeit anzupassen oder einen allzu entspannten Gamer etwas zu überraschenFlower könnte ich mir jedenfalls sofort als Emotiv-Spiel vorstellen.

Wir haben auf DRS 3 über den Emotiv-Test berichtet, nachhören kann man hier: Die Sendung mit der ferngesteuerten Maus. Und ein Video gibt es auch, bitteschön:


P.S.
Nach der Emotiv-Demo sahen wir uns noch den Reactable an:


Das Instrument lässt sich sehr direkt und intuitiv bedienen. Man hört nicht nur, was man tut, man sieht es auch, exakt da, wo man manipuliert hat. Komplexe musikalische Zusammenhänge werden sichtbar. Und: Kollaboration ist unheimlich einfach: es stellt sich einfach eine zweite oder dritte Person an den Tisch.


Dieses Musikinstrument passt wunderbar an das diesjährige Tweakfest, das unter dem Oberthema "InterFaces" steht. Die digitale Musikproduktion erfolgt ja weitgehend über Maus, Tastatur und Bildschirm. Kein Wunder, dass man von "produzieren" spricht - körperlich gesehen unterscheidet sich dieser Vorgang nicht von arbeiten. Der Reactable erinnert uns daran, dass Musik machen auch etwas Körperliches sein soll - ein Instrument beherrschen und etwas im Moment erschaffen, es spielen.

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iPhoto erkennt Gesichter soso lala

Das aufregendste Feature des neuen iPhoto (aus iLife 09) ist die Gesichtserkennung. iPhoto scannt alle Fotos auf Gesichter und ordnet ähnliche einander zu. Sobald man einem Gesicht einen Namen gegeben hat, schlägt es andere Fotos der gleichen Person vor. So kann man nun sehr leicht Fotos nach bestimmten Personen durchsuchen, oder andere Fotos der gleichen Person anzeigen lassen. Und das ganze mit den Smart Folders natürlich beliebig auf die Spitze treiben.


Insgesamt funktioniert das Feature erstaunlich gut und ist sehr leicht zu bedienen. Der Algorithmus lässt sich weder Brillen und Bärten, noch Kappen und Dunkelheit beeindrucken. Naja, jedenfalls in der Demo mit den perfekt fotografierten schönen jungen Applemenschen. In meiner Fotolibrary hatte iPhoto mehr Probleme, weniger mit der Zuordnung, mehr damit, ein Gesicht überhaupt zu erkennen und zu markieren. Die ganze Zuordnung braucht also noch anständig Handarbeit, einen Abend sollte man für ein paar tausend Fotos schon einplanen (wenn man sie auch gleich noch Orten zuordnen will, das andere neue Feature).

Fun Fact: Affengesichter werden nicht erkannt, Buddhas dagegen schon.

Ab und zu macht iPhoto auch Fehler, die unterhaltsam sind:


                                                               

 

Update:

Kollega Müller hat seine Fehlerkennungen nun auch dokumentiert.

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Musik, die schmerzt oder Warum die Japaner einfach die Allerhärtesten sind

Engadget hat uns heute auf das Projekt "Face Visualizer" von Daito Manabe, Masaki Teruoka und Katsuhiko Harada aufmerksam gemacht. Manabe-san klebt sich dabei Kabel an bestimmten Stellen ins Gesicht und versetzt sich so im Takt der Musik Stromstösse, die wiederum die Gesichtsmuskulatur zum Zucken bringen.


Also sozusagen das Gegenteil von gestengesteuerter Musik: die Musik steuert die Gesten. 


Damit beweisen die drei Japaner, wie man angemessen für die Kunst leidet. Manabe-san beschreibt, dass sich die Stromstösse wie Nadelstiche anfühlen, und dass er manchmal nicht atmen könne, ein verzerrtes Sehfeld erhalte oder Licht und grüne Linien sehe. Die Musik kommt dazu auch eher hart fiepsig daher. Klar, damit es auch in den Ohren schmerzt, ist ja wohl Ehrensache.

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Microsoft patentiert automatischen Fluch-Filter

In text-basierten Chat-Systemen gibt es mittlerweile praktisch überall Schimpfwortfilter. Wer sich nicht anfluchen lassen möchte, schaltet den Filter ein, und unanständige Wörter werden automatisch zensuriert. 

Wenn aber nicht per Text, sondern direkt per Sprache miteinander kommuniziert wird, dann geht das nicht mehr so leicht. Dementsprechend rau ist der Umgangston z.B. auf Game-Portalen wie Xbox Live - gerade, wenn es um adrenalingeladene Games geht und die Emotionen hoch gehen.


Microsoft hat nun ein Patent für eine Technologie anerkannt bekommen, die dem Gefluche den Garaus machen soll. "Automatic censorship of audio data" soll nicht nur für Online-Games eingesetzt werden, sondern vor allem auch im Live-TV. Besonders die amerikanischen Fernseh-Sender müssen sich an strenge Sprach-Regeln halten, bei Verstoss sind hohe Bussen fällig. Die Technologie von Microsoft könnte da regen Anklang finden.

Hier meine Simulation, wie eine knappe Niederlage in Halo mit diesem Filter klingen könnte:

  


Noch besser fände ich es aber, wenn die unanständigen Wörter gleich durch schöne ersetzt würden:

  


"You are my favourite rainbow unicorn!" Diesen Fluch sollte man sich eh angewöhnen!

Im Ernst: die Technologie könnte auch missbraucht werden, z.B. wenn nicht nur Schimpfwörter, sondern auch politisch nicht genehme Wortmeldungen automatisch zensuriert würden. Aus unserer Sicht vielleicht etwas paranoid, aber chinesische Internet-Zensoren beobachten diese Entwicklung sicher schon sehr genau.

Microsoft gets patent for real-time f-bomb bleeping (Ars Technica)
Automatic censorship of audio data for broadcast (United States Patent)
Microsoft Patents Audio Stream Censorship Technology (Escapist Magazine)

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Genius mag ich sehr - und mit diesem Tipp wird es noch besser!

Die grosse Neuerung von iTunes 8 ist Genius. Einmal mehr schaut Apple gut bei anderen ab (Last.fm, Pandora, iLike etc.) und führt eine Ähnliche-Musik-Funktion ein.


Natürlich finden sie es wahnsinnig toll, wenn man ähnliche Musik im iTunes Store findet, und die dann gleich kauft. Aus Sicht von Apple ist das in erster Linie ein Marketingtool, analog der "Kunden kauften auch"-Funktion bei Amazon.


Mir ist das ziemlich schnuppe, ich brauche Genius ausschliesslich dafür: einen tollen Song in meiner Library anwählen, und mir 50 andere, ähnliche Songs aus meiner Bibliothek ausspucken lassen. Und es funktioniert wirklich gut! Gefällt mir die Stimmung eines Songs, habe ich blitzschnell eine ganze Playlist zusammengestellt. Bei einer grossen Bibliothek entdeckt man so ausserdem Songs wieder, die man schon ganz vergessen hatte.

Ärgerlich ist nur: die Pfeile rechts von Titel, Interpret und Album zeigen alle auf den iTunes Store. Das will ich aber nicht - ich will nix kaufen, ich will sehen, was ich sonst noch von diesem Interpreten bereits besitze. Glücklicherweise kann man die Funktion dieser Pfeile umstellen, und zwar so:

  1. iTunes schliessen.
  2. Das Terminal öffnen.
  3. Folgendes eingeben (bzw. von hier copy/pasten):
    defaults write com.apple.iTunes invertStoreLinks -bool TRUE
  4. iTunes öffnen, fertig! Alle Pfeile in iTunes zeigen nun auf die Library, nicht auf den Store. Bitteschön!

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Wuala startet - hm, tja


Wuala ist eine Online-Speicher-Lösung aus der Schweiz, ein ETH-Spinnoff. Heute startet die Public Beta. Wie immer bei solchen Beta-Starts ist die Seite im Moment offline.


Wuala kombiniert Online-Speicher mit P2P-Technologie. Wenn man eine Datei speichert, wird die lokal auf dem eigenen PC verschlüsselt und in viele kleine Teile zerlegt. Diese Teile werden dann auf PCs von anderen Wuala-Usern gespeichert (jeder Wuala-User stellt einen Teil seiner HD zur Verfügung). Diese Datei kann man dann von überall her abrufen.

Mein erster Eindruck: eine sehr spannende Idee, aber unglaublich schwer zu kommunizieren. Der Hauptvorteil der Idee liegt nicht beim Kunden (der einfach irgendwo einigermassen sicher seine Daten speichern will), sondern beim Anbieter (die in diesem Fall bei der Server-Infrastruktur sparen können).

Die Kommentare auf Techcrunch sind auch nicht grade vorteilhaft (wenn auch wahrscheinlich in einigen Fällen ziemlich voreilig):

Wuala Launches Social Grid Storage In Public Beta Tomorrow (TechCrunch)

Z.B.: "Horrible logo, horrible name and the app is pretty crappy too. It’s all Java and has a clunky interface that wants you to put a fork in your eyes. I’ve tried beta long time ago and uninstalled 10 min after."

Aua.

Vor allem aber erinnert das Logo ein bisschen, naja, wie soll ich sagen, an Brüste:


Was für den ETH-Geek natürlich ein Argument auf der Plus-Seite ist.


Update:
Luzi probiert es gerade aus und findet das Interface "also schön" und gar nicht clunky.

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Die neue Suchmaschine Cuil

Konnten die sich wirklich keinen besseren Namen geben?


Cuil heisst die neueste Suchmaschine; ausgesprochen wird das "Cool". Soll gälisch sein und "Wissen" bedeuten. Also cool finde ich diesen Namen nicht. Immerhin ist er kurz, bleibt darum wohl optisch haften.


Das Gute zuerst: die Suchresultate werden in drei (wahlweise zwei) Spalten dargestellt und nach Möglichkeit mit einem Bildchen versehen. Zunächst noch etwas ungewohnt (wenn sich nach 20 Google-Searches pro Stunde die optische Erscheinung der Suchresultate in der Retina eingebrannt hat), aber eigentlich sehr gut lesbar und hübsch anzusehen.


Dann das Blabla: 33 Millionen Dollar Startkapital hat man sich besorgt; und richtig grosse Namen an Bord geholt. Laut Search Engine Land:

"Tom Costello of IBM's WebFountain project, plus Anna Patterson and Russell Power of Google's TeraGoogle project, Google's massive search index. Cuil also counts former AltaVista founder Louis Monier -- who later went to eBay and then Google -- as part of the team."


Wenn man solche Leute am Start hat, dann packt man natürlich die grosse Rhethorik aus: so will man vor allem mit dem PageRank-Prinzip von Google aufräumen und nennt das despektierlich "Popularity Contest". Google gewichtet Seiten, auf die sehr oft gelinkt wird, höher in den Suchresultaten. Ebenso werden Suchergebnisse, auf die oft geklickt wird, dann auch öfter angezeigt. Das ist mit einer der wichtigsten Gründe, warum Google so erfolgreich ist - der "Popularity Contest"-Vorwurf klingt in meinen Ohren sehr arrogant.

Vor allem so lange man es noch nicht deutlich besser macht. Das Schlechte ist nämlich: die Resultate, die Cuil liefert, sind deutlich schlechter als die von Google, das haben alle meine direkten Vergleiche gezeigt. Das betrifft insbesondere auch Seiten, die nicht englisch-sprachig sind - übrigens die Mehrheit der Seiten im Internet, Cuil.
Und: die Server von Cuil waren den ganzen Morgen offline - Zusammenbruch unter der Last der Neugierigen.

Bevor man also bei Cuil davon redet, wie man Google überholen will, geht man besser noch mal in den Serverraum und zurück an die Arbeit.

Natürlich, als Google damals neu war und gegen Altavista und Yahoo und andere antrat, war auch noch nicht alles nur super. Aber: Google hat einen ganz speziellen Moment erwischt. Alle Konkurrenten investierten nicht mehr in die reine Suche, sondern vor allem in Portale - eine Strategie, die sich heute als falsch erwiesen hat. Nur Google erkannte, dass mit Search noch sehr viel Geld zu verdienen ist; und setzte alles auf diese Karte. Damit konnten die direkten Konkurrenten technisch ausgestochen werden: Google lieferte einfach die besseren Resultate als alle anderen, dank überlegener Technologie.

Die Lage heute ist damit nicht vergleichbar: gleich drei Schwergewichte (Google, Yahoo, Microsoft) balgen sich um den Search-Markt, und investieren viel in die technische Weiterentwicklung. Dagegen sind die 33 Mio von Ciul ein Klacks.

Cuil startet mit einem kleinen Budget aus den hinteren Reihen. Und das auf einer Strecke, auf der das Überholen sehr schwierig geworden ist.

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Ich weiss, wo du grade bist - gömmer eis go zie!

Ein klarer Trend: "Local Aware Social Networking". Was ist damit gemeint und was bedeutet es?


 
Viele von uns benutzen schon ein soziales Netzwerk, wie z.B. Facebook. Viele von uns tragen ein Handy mit sich herum. Bald werden viele dieser Handys GPS-Funktionen eingebaut haben. 
 
Und damit bietet sich die Gelegenheit, diese beiden Technologien zu verbinden. Z.B.: Ich sitze in der Bar, alleine, langweilig. Auf meinem Gerät sehe ich nun aber, dass in der nächsten Bar ein Freund sitzt - schnell anchatten, und man trifft sich. 
 
Beispiele:
 
Wenn ich bis jetzt mit jemandem darüber gesprochen habe, war die Reaktion immer genau gleich: "Was? Dann weiss man immer wo ich bin? Ich will doch nicht überwacht werden!!"
 
Einerseits:
 
  • Ich sehe die Position nur von Freunden. Die ich angefragt habe und die Ja gesagt haben zur Verknüpfung im sozialen Netzwerk .
  • Und auch nur dann, wenn sie mir explizit erlauben, jetzt ihre Position zu sehen. Sie können den Dienst jederzeit ganz abstellen, oder mir die Berechtigung entziehen.
 
Damit hat man es selber unter Kontrolle, ob, wann und von wem man sich "überwachen" lassen will.
 
Andererseits sind unsere Positionsdaten nicht vollständig unter unserer Kontrolle. Wir benutzen dazu eine Software, und das Unternehmen hinter der Software hat die Möglichkeit, auf diese Daten zuzugreifen. Daraus ergeben sich die folgenden Szenarien:
 
  • Das Unternehmen missbraucht meine Positiondaten.
  • Die Daten werden gestohlen und von anderen missbraucht.
  • Ein Staat zwingt das Unternehmen, die Daten zu speichern und auf Wunsch herauszugeben.
 
Das sind alles keine angenehmen Szenarien. Es hilft aber nichts, jetzt einfach Angst vor einer Technologie zu haben, die sich nicht mehr aufhalten lässt (nirgends sind Menschen so einsam wie in einer Grossstadt - eine Technologie, die sie mit ihren Freunden zusammenbringt, ist viel versprechend genug, um über Risiken hinwegzusehen).
 
Dass unsere Gesellschaft und auch das Individuum immer transparenter werden, ist eine langfristige Entwicklung und nicht umkehrbar. Diskutieren muss man deshalb die Frage der Kontrolle: Wer kontrolliert meine Daten? Wie wird Missbrauch verhindert und geahndet?
Antworten darauf können nur aus dem Zusammenspiel von Gesetzgebung, freiem Markt, Druck von Konsumenten- und Datenschutz-Organisationen und persönlicher Verantwortung entstehen.
 
 
Update:
Die Frage der Kontrolle wird immer mehr zu einer Frage, die nicht nur zwischen Unternehmen und Konsumenten, sondern auch zwischen dem Staat und den Bürgern diskutiert werden muss. Grossbritannien geht mit allgegenwärtigen Kameras und zentralen Datenbanken schon länger sehr weit; Schweden hat soeben Gesetzte geschaffen, die erlauben, den Internetverkehr ins Ausland zu überwachen. Das sind keine Einzelfälle: Jede Behörde leckt sich beim Blick auf die potentiell verfügbaren Informationen die Finger. Zwei Beispiele, nur von heute:
 
 
Den staatlichen Zugriff auf die Privatsphäre schätze ich als schwerwiegender ein. Wenn mir die Privacy Policy eines Unternehmens nicht passt, kann ich den Anbieter wechseln (sofern es echte Konkurrenz gibt und ich freie Wahlmöglichkeiten habe). Wenn dem Staat Eingriffe in die Privatsphäre erlaubt werden, die mir nicht passen, bleibt nur das Auswandern. Und Staaten begründen ihre Eingriffe gern mit Argumenten, gegen die man wenig einwenden kann - Terrorismus, Kinderpornographie, und "Du hast ja nichts zu verstecken, oder?".
 

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