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Wie kann Obama seinen Blackberry behalten?

Obama liebt seinen Blackberry und er darf ihn nicht behalten, hat man in letzter Zeit des öfteren gehört.
Obama Digs In for His BlackBerry (New York Times)

Charles Dharapak/Associated Press/New York Times

Weil ich als Gadget-Liebhaber mitfühlen kann, frage ich mich, was denn passieren muss, dass Obama den Blackberry nicht hergeben muss. Wenn einer die Ressourcen hat, das möglich zu machen, dann ja wohl er.

Absolut notwendig wäre wohl folgendes:

  • Der gesamte Mail-Verkehr muss klassifiziert werden (Top Secret, Confidential etc.) und entsprechend archiviert werden. Dies darf nicht auf Servern von RIM passieren - hier muss das White House eigene Infrastruktur aufbauen. Die Speicherung/Aufbewahrung muss sich an gesetzliche Vorschriften halten, ebenso bezüglich Einsicht von allfälligen Untersuchungsausschüssen des Kongresses.
  • Jedes Mail muss hart verschlüsselt sein.
  • Auf Obamas Blackberry kann nicht einfach so Software installiert werden - dazu wird das Einverständnis und die persönliche Anwesenheit von mindestens zwei Generälen benötigt.
  • RIM muss den kompletten Source Code der NSA aushändigen, die sie gründlich auf Sicherheitslecks und Hintertüren analysiert.
  • Das Gerät wird mit biometrischen Zugriffskontrollen ausgerüstet. Nur die warmen Finger von Obama können das Gerät ein-/ausschalten und bedienen.
  • Entfernt sich das Gerät zu weit von Obama, löscht es sich automatisch selbst.
  • Die Kommunikation läuft nicht über das öffentliche Netz, sondern über ein getrenntes, verschlüsseltes. OG statt 3G.

Reicht das? Habt ihr noch weitere Vorschläge?

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Da tritt Sämi hin!

Kollega Müller fragt: "Wen tritt unser Bundesrat genau? Und wohin?"


Wen weiss ich nicht, wohin er den tritt aber schon:

  


So ist das halt: wenn man dem Sämi zu lange dauernd ins Glied tritt, hat sogar er irgendwann genug und tritt zurück.

Denn an etwas mangelt es ihm nicht:

  

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Pro Juventute: "Kriegsspiele müssen sich ans Völkerrecht halten"

Pro Juventute hat soeben eine Medienmitteilung verschickt mit dem Titel "Kriegsspiele dürfen nicht rechtsfrei sein".

Einige Highlights:

"In Computer- und Videospielen wird oft Gewalt gezeigt und Spielende werden virtuell gewalttätig. Computerspiele sind aber nie ethikfreie Räume. Deshalb sollen in Spielanlagen fiktiver Kriege auch alle Normen gelten, die in realen bewaffneten Konflikten einzuhalten sind. Diese Normen und Werte werden vom humanitären Völkerrecht gesetzt.
[...]

pro juventute und TRIAL wollen Hinweisen nachgehen, wonach wirklichkeitsnah gestaltete Kriegsspiele teilweise Szenen enthalten, die Spielende zu völkerrechtswidrigem Verhalten verführen, indem sie beispielsweise ungestraft Zivilpersonen oder gefangene Kämpfende töten können. Deshalb überprüfen die beiden Organisationen ausgewählte Kriegsspiele auf ihre Verträglichkeit mit universell anerkannten Regeln des Kriegsrechts.

[...]
«Es gibt kein Spiel ohne Regeln und auch im Krieg herrschen Regeln», betont [Marco] Sassòli, [Professor für Völkerrecht an der Universität Genf und Präsident der Akademie für humanitäres Völkerrecht und Menschenrechte]. «Wenn schon virtuell Krieg gespielt wird, muss auch das Kriegsrecht Teil der Spielregeln sein. [...] Unsere Computer und Videospielenden sollen dies schon in ihren virtuellen Spielen lernen, sonst entsteht eine Kultur der Rechtslosigkeit"

Bild: Call of Duty: World at War

Einige Fragen stellen sich:

  • Ich bin gespannt, welche Spiele/Szenen sie da ausgraben. Mir fällt spontan gerade kein Kriegsspiel ein,  in dem Kriegsgefangene oder Zivilisten vorkommen. Werden Aliens eigentlich auch vom Völkerrecht geschützt?

  • Wie genau sollte das Völkerrecht im Spiel dann umgesetzt werden? Wenn man einen Zivilisten erschiesst (der nicht etwa Zombie-fiziert war), setzt das Spiel dann aus, während man auf einen Prozess vor dem virtuellen internationalen Gerichtshof warten muss? Und wie soll eine Bestrafung im Spiel aussehen?

  • Folgt Pro Juventute der Logik, dass für Killerspiele das Strafrecht und für Kriegsspiele das Völkerrecht zuständig sind?

  • Kollege Widmer lässt fragen, ob man dann nicht konsequenterweise Monopoly unter die Aufsicht der Bankenkommission stellen müsste?

  • Wird hier nicht die Realität etwas gar arg mit dem Spiel vermischt? Wirft Pro Juventute nicht genau das sonst eher den Gamern vor?
  • Glaubt ein gestandener Völkerrechtsprofessor tatsächlich, dass man von einem Spiel zur Rechtslosigkeit erzogen wird? Dass z.B. Kindersoldaten Drogen eingeflösst werden, wusste ich. Dass die auch zum Gamen gezwungen werden, wäre mir neu.

Für Pro Juventute ist diese Meldung nur ein weiterer Schritt in ihrer Kampagne für eine Kriminalisierung von Gewalt-Spielen; das verwundert also niemanden.
TRAIL hingegen ist ein Verein, der sich für Opfer von Kriegsverbrechen einsetzt, und der beteiligte Völkerrechtsprofessor ist Präsident der Akademie für humanitäres Völkerrecht.  Dass sich diese beiden Institutionen für eine solche Zeitverschwendung hergeben und sich sogar noch strunzdumm zitieren lassen, finde ich erschreckend.

Kriegsverbrechen sind ein ernstes Thema. Wer es mit Spielen in Verbindung bringt, macht sich der Verharmlosung schuldig, weil er so tut, als ob es weniger Kriegsverbrechen gäbe, wenn man nur die Spiele säubern würde.

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Taibbi haut Palin in die Pfanne

Matt Taibbi schreibt für den Rolling Stone und scharfzüngige Bücher über die amerikanischen Gesellschaft, z.B. The Great Derangement

Taibbi war an der Republican National Convention und sah die ersten grosse Rede als VP-Kandidatin von Sarah Palin. Während ich die Nomination von Palin hoffnungsvoll als Fehler bezeichnet habe (Argument: die Reizfigur Palin mobilisiert die Linken und Gemässigten für Obama), kommt Taibbi in einer bissigen Analyse zu einer viel pessimistischeren Einschätzung:

"The truly disgusting thing about Sarah Palin isn't that she's totally unqualified, or a religious zealot, or married to a secessionist, or unable to educate her own daughter about sex, or a fake conservative who raised taxes and horked up earmark millions every chance she got. No, the most disgusting thing about her is what she says about us: that you can ram us in the ass for eight solid years, and we'll not only thank you for your trouble, we'll sign you up for eight more years, if only you promise to stroke us in the right spot for a few hours around election time."

Er gesteht ein, dass Obama bisher auch nicht mit Substanz glänzt, sieht aber einen klaren Unterschied:

"So, sure, Barack Obama might be every bit as much a slick piece of imageering as Sarah Palin. The difference is in what the image represents. The Obama image represents tolerance, intelligence, education, patience with the notion of compromise and negotiation, and a willingness to stare ugly facts right in the face, all qualities we're actually going to need in government if we're going to get out of this huge mess we're in.
Here's what Sarah Palin represents: being a fat fucking pig who pins "Country First" buttons on his man titties and chants "U-S-A! U-S-A!" at the top of his lungs while his kids live off credit cards and Saudis buy up all the mortgages in Kansas.

Das Argument von Taibbi: Palin ist die einfache Wahl. Wer sie wählt, muss sich weder mit Inhalten befassen, noch sich eine eigene Meinung dazu bilden. Sondern nur die Person wählen, die der Wahrnehmung von sich selber am ehesten entspricht. Also die einfache Frau aus der Kleinstadt und nicht den gebildeten Schwarzen.

So fulminant die Rhetorik Taibbis ist, so sehr hoffe ich, dass er unrecht hat. Dem Land geht es schlecht (Krieg, schlechte Sozialversicherung, riesige Schulden, Rezessionsängste), und es ist zu hoffen, dass sich die Wähler gerade in einer solchen Situation mit den wirklichen Themen befassen und nicht auf lausige Wahlkampftricks hereinfallen. Ich vertraue darauf, dass die Amerikaner sich nicht mit billigem Populismus zufrieden geben.

Mal sehen, ob ich nach der Wahl noch gleich optimistisch töne.

Taibbis Tirade ist auf jeden Fall lesenswert:
The scariest thing about Sarah Palin isn't how unqualified she is - it's what her candidacy says about America (Smirking Chimp)

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Cunt vs. Feminists

"Cunt" ist ein Flash-Spiel, im wesentlichen ein Shooter. Allerdings schiesst kein Raumschiff, sondern ein Penis. Und auch nicht auf Raumschiffe, sondern auf ein Mondgesicht mit Vagina als Mund. Angegriffen wird der Penis von Geschwüren, die sich von der Vagina lösen. Wenn die Geschwüre oder die Vagina getroffen werden, spritzt Blut und Eiter.


"Cunt" ist ein sehr abwertendes Wort für Vagina, und im übertragenen Sinn für die ganze Frau. Wohl eines der härtesten Wörter, die man wählen kann, die direkteste deutsche Übertragung wäre wohl "Fotze".

 

Wer ein Spiel mit diesem Titel veröffentlicht, will damit sicher nicht eine differenzierte Diskussion von Geschlechterrollen anstossen. Sondern auf rote Knöpfe drücken, provozieren, Grenzen des Geschmacks testen. Cunt lässt sich aber nicht als billige Geschmacklosigkeit abtun: das Spiel stammt unter anderem von Edmund McMillen, einem Darling der Indie-Game-Szene. In einem Interview verneint er, bestimmte Absichten zu verfolgen:

"When I designed the theme for the C word I just kinda opened that part of my brain and let whatever was there to come out. I didn't censor or overthink what came out, I just drew it. I tend to write and design around things I find interesting, and stuff I find interesting tends to be weird, stuff that most people don't talk about. I find genitals interesting. I think it's funny and also strange that we all have them, yet seeing them is somehow weird. It was fun to play around with. And it's what came out when I sat down, so I did it. That's it. No other deep meaningful reason, and I wasn't just trying to be crude or offensive. If I wanted to shock and offend I'm sure I could have come up with something much worse."

Wie zu erwarten war, haben Frauen mit Abscheu reagiert und das Spiel verurteilt. Entgegen der üblichen Internet-Tendenz hat sich aber trotz der Steilvorlage eine spannende Diskussion entwickelt (siehe z.B. die Comments auf Kotaku), was allerdings weniger am Spiel selber liegt, sondern den durchdachten und sauber argumentierten Posts auf Feminist Gamers oder Acid for Blood.

An der Interpretation der Wort- und Bildwahl gibt es nichts zu rütteln - die Symbolik ist zutiefst frauenfeindlich. Die böse Vagina als Quelle von Krankheit, die traditionelle männliche Angst vor der Vagina dentata, die abschätzige Wortwahl. Die Symbolik ist nicht subtil.


"[T]he idea of a diseased vagina, which a penis must destroy, just flowed from his mind in a torrent of artistic inspiration and creativity. That this inspiration emerged from his brain effortlessly, without trying, shows just how entrenched hatred for women is in our society."

Und Mighty Ponygirl/Feminist Gamers geht davon aus, dass ein bestimmtes Thema auch bestimmte Leute anzieht, bzw. dass die Wahl eines Spiels durchaus Rückschlüsse auf den Character zulässt:

"This is what frequently brings us trolls - pointing out that a person’s motivations for playing a particular game [...] may not be simple escapism, and may in fact be a reflection of actual wish-fulfillment tends to get gamer’s hackles up. Pointing out that games can in fact provide wish-fulfillment or reflect real predispositions or attitudes in a less-than-positive way usually results in a reaction not unfamiliar to this blog. Tricky waters to navigate, indeed… but then ugly will find an out."

Das passt mir nicht: der automatische Rückschluss, dass McMillen frauenfeindlich ist, und dass Spieler von Cunt frauenfeindlich sind. Das Verwenden einer bestimmten Symbolik heisst nicht automatisch, dass man diese Symbole gut findet. Ich gebe zu, oft heisst es das. Und dass es Frauenfeindlichkeit unter Gamern gibt, wird niemand bestreiten. Aber: es geht hier letztlich nicht um die Symbole, sondern um die Gedanken und Motivationen derer, die die Symbole verwenden. Und die kann man nicht einfach automatisch ableiten.

McMillen verweigert sich und gibt seine Motivation nicht preis. Das Spiel ist aber dermassen plump und überdreht, dass man es auch als satirische Betrachtung eben dieser frauenfeindlichen Symbolik lesen kann. Umgekehrt ist es natürlich eine männliche Standardreaktion, Frauenfeindlichkeit zu verharmlosen.

Was meint ihr?

Cunt (Komix Games, Newgrounds)

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Palin-Palim-Palum: Das war gar kein Hack

Gestern wurde bekannt, dass Sarah Palins Yahoo-Webmail gehackt worden ist. Jetzt gibt es Anzeichen, dass man eigentlich gar nicht von einem Hack reden kann. Offenbar wurde nämlich einfach das Passwort von Palins Mail zurückgesetzt. Oh ja. Und zwar über die "Passwort-vergessen"-Funktion!

Da geht also einer einfach frech hin, und sagt, er habe das Passwort für Frau Palins Email vergessen. Das Yahoo-System fragt ihn nach ihrem Geburtstag und danach, wo sie ihren Ehemann kennengelernt habe. Bei Zivilisten ist diese Information normalerweise unbekannt - nicht so bei der Prominenten Palin, da ist das nur eine Google-Suche weit weg.


Damit steht die Aktion in einem viel amateurhafteren Licht da als noch gestern. Es ist auch jemand aufgetaucht ("rubico", in den Foren der legendären /b/), der sich zur Tat bekennt und die Geschichte aus seiner Sicht erzählt. 

  • Offenbar hat "rubico" nur einen einzigen Proxyserver für seinen Zugriff verwendet. Und war leider so dämlich, dessen URL in den publizierten Screenshots drinzulassen. Es war Ctunnel.com. Damit weiss das FBI nun sehr genau, wen sie um Logfiles bitten müssen. Der Betreiber von Ctunnel hat bestätigt, dass die Feds sich bereits bei ihm gemeldet haben (um zu verhindern, dass die Logfiles automatisch geflusht werden). Es könnte also sehr schnell gehen, bis jemand verhaftet wird.

  • "Rubico" sagt, er habe die Mails durchgesehen in der Hoffnung, etwas Belastendes zu finden, und sei auf nichts gestossen. Ich bezweifle, dass er in der Lage ist, das korrekt einzuschätzen. Er habe deswegen (und weil es ihm zu mühsam war) keine komplette Kopie der Mails gemacht. Stattdessen hat er das Passwort auf /b/ veröffentlicht. Dort hat dann jemanden anders das Gewissen gepackt; der hat das Passwort erneut geändert und einer Mitarbeiterin von Palin einen Hinweis geschickt. Auch der war kein Profi: er postet nämlich einen Screenshot der Warn-Email auf /b/, mit dem neuen Passwort drin. In der Folge bricht die grosse Passwort-Ändern-Orgie aus, bis der Account von Yahoo automatisch gesperrt wird. Evtl. sogar gelöscht (das ist unklar, ob überhaupt, und wenn ja, von wem). Wenn also etwas Belastendes da war: jetzt ist es möglicherweise weg.

  • In der kurzen Zeit zwischen dem ersten Passwort-Post und der Account-Sperrung hatten viele /b/-Leser auf die Mails Zugriff. Es ist wohl nur noch schwer nachvollziehbar, wer das war, und ob die Kopien gezogen haben. Das bedeutet, dass auch nach einer Verhaftung von "rubico" noch Emails in den Umlauf gelangen können. Andererseits wird es schwieriger sein, ihre Authentizität zu belegen, vor Gericht wären solche Hinweise wohl nicht viel wert. Um ein anständiges Skandälchen ins Rollen zu bringen, könnte es dennoch reichen. Beten, Sarah, beten.


Zu 4chan und den /b/-Trollen lege ich euch ausserdem diesen faszinierenden Artikel ans Herz:
The Trolls Among Us (New York Times)

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Datenpanne 43ff.: Der Grosse European Incompetence Contest

Die norwegisches Steuerverwaltung hat versehentlich CDs mit Daten zu 4 Millionen Steuerpflichtigen an 9 Zeitungen geschickt.


Es ist eine norwegische Spezialität, dass Name und Einkommen öffentlich zugänglich sind, und dass das Steueramt sogar Listen aufbereitet und regelmässig an die Medien schickt. Die Panne in diesem Fall ist also nicht die Liste an sich, sondern der Umstand, dass auch ID-Nummern dabei waren, die sonst streng vertraulich behandelt werden.

Massive Datenpanne in norwegischer Steuerverwaltung (Heise)

Die norwegische Panne ist nur ein weiteres Kapitel in einer ganzen Reihe von Datenpannen. Die britischen Behörden sind schon beinahe legendär, die Deutschen haben grad auch ihren grossen Datenverlustrummel hinter sich - es gibt bald keinen Staat mehr in Europa, der nicht irgendwelche Daten verhühnert hat.

Das ist bedenklich. In der öffentlichen Wahrnehmung (beeinflusst von Datenschutzbeauftragten und Konsumentenschützern) bedrohen Unternehmen unsere Privatsphäre. Und vor diesen Unternehmen müssten wir per Gesetzgebung geschützt werden. Eine Gefährdung der Privatsphäre durch den Staat geht dabei gerne vergessen.

Tatsache ist: alle sammeln Daten, Unternehmen und Behörden. Und wo Menschen werkeln, da geht etwas schief. Seien es individuelle Fehler oder schlechte Prozesse. Unsere Privatsphäre wird deshalb nicht nur von Unternehmen bedroht, sondern gerade auch von Behörden. Und während die Unternehmen handeln oder Werbung treiben wollen, argumentieren Behörden mit Terroristen, Hooligans und Kinderporno und halten ihre Sammelei für dringlicher.

Man nimmt es hin mit dem Hinweis, man habe "ja nichts zu verbergen". Das ist sehr kurz gedacht und offenbart, wie hier mit ungleichen Ellen gemessen wird. Während man Unternehmen grundsätzlich misstraut und den Datenmissbrauch als den Naturzustand annimmt, vertraut man umgekehrt dem Staat grenzenlos, auch mit den heikelsten Daten keinen Mist anzustellen. Das ist naiv.


Es ist keine neue Forderung: Behörden sollen unsere Daten sorgfältig und vertraulich behandeln. Das tun sie in der Regel auch. Neu ist aber die Tendenz der Vollzugsbehörden, bei jeder Gelegenheit mehr Kompetenzen zur grossflächigen Sammelei zu verlangen (zwecks Terrorbekämpfung etc.). Dieser Tendenz muss man sich widersetzen.

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Sarah Palins Email gehackt

Der Yahoo-Mail-Account von Sarah Palin wurde gehackt, offenbar von Leuten aus dem Anonymous-Umfeld. Die Hacker hatten kompletten Zugriff auf diesen privaten Mail-Account der Vizepräsident-Kandidatin, inklusive Kontaktliste und Passwortänderung. Mittlerweile scheint der Account deaktiviert zu sein (Mails bouncen). Wikileaks hat einige Screenshots und private Fotos veröffentlicht; die Hacker sind aber wahrscheinlich im Besitz der Mails im Volltext.


Mindestens eine Absenderin hat die Authentizität eines Mails gegenüber Wired bestätigt. Ein Sprecher aus dem Wahlkampfteam von Palin hat die Aktion aussertdem verurteilt. Damit kann man wohl davon ausgehen, dass es sich nicht um eine Ente handelt.

Sarah Palin Yahoo account 2008 (Wikileaks)
Group Posts E-Mail Hacked From Palin Account (Wired Threat Level)
Hack of Palin e-mail makes case for sticking with .gov account (Ars Technica)
Republicans fight to block inquiry into Palin's 'Troopergate' affair (Guardian)

Wenn das auf den ersten Blick wie eine Vandalenaktion aussieht: ist es nicht. Aus diesen Gründen:

  • Governor Palin wurde kritisiert dafür, dass sie private Email-Accounts benutzt, um Regierungsangelegenheiten zu behandeln. Das könnte illegal sein (weil für Regierungs-Email-Accounts z.B. gewisse Aufbewahrungs- und Deklassifizierungsregeln gelten, die per Yahoo-Mail natürlich umgangen werden). Die Hacker sind nun möglicherweise im Besitz von Beweismaterial, das Palin solches Fehlverhalten nachweisen könnte.
  • Palin wäre nicht die einzige Republikanerin, die gerne Emailregeln umgeht. Auch Mitarbeitern des Weissen Hauses wurde das gleiche Verhalten vorgeworfen; entsprechende Anhörungen verliefen im Sand, weil Accounts/Emails gelöscht wurden.
  • Auch Fahrlässigkeit kann man Palin vorwerfen: Yahoo-Mail wird sicher nicht so geschützt, wie die Emails eines potentiellen Vizepräsidenten geschützt werden sollten (nationale Sicherheit und so). Palin kann von ihrem Haus aus Russland sehen und findet nichts dabei, Politik und Babyfotos zu mischen - hallo?!?
  • In einigen der Mails geht es auch um das DPS (Department for Public Safety, Alaska), das den State Troopers vorsteht. Auch darin stecken evtl. Beweise zu einem potentiellen Skandal. Palin soll einen ehemaligen Schwager aus den State Troopers rausgemobt haben.

Damit ist klar: der Angriff war politisch motiviert. Und wir werden ab jetzt wohl häppchenweise mit Auszügen dieser Emails versorgt werden.

(Abgesehen von Politik sei noch bemerkt: das Vertrauen in Yahoo-Webmail wird durch diesen Angriff natürlich auch nicht gerade gestärkt. Wenn Palins Email hack-bar ist, dann sind es andere auch.)

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Obama und das Ende der Hoffnung

Wer ab und zu in einem Fussballstadion ist, kennt das Gefühl: Aufspringen, jubeln, und dann war es doch kein Tor, Offside oder Torwart behindert oder sonst etwas Doofes. Und man steht da mit seinen Armen in der Luft, links und rechts sitzen sie, und man kommt sich erstens ziemlich dämlich und zweitens total betrogen vor.

Mark my words: So werden sich die Europäer nach 2 Jahren Obama-Präsidentschaft vorkommen.

Ja, jetzt frohlockt man noch hier. Es ist schon sehr lange her, dass ein amerikanischer Präsident (geschweige denn ein Kandidat) eine solche Begeisterung hervorrufen konnte. Nicht zu Unrecht - es ist halt, wie die Daily Show von Jon Stewart formuliert: "Wenn Obama redet, hat ein Engel einen Orgamus".

Yes we can

Auch wenn McCain im Moment eher die Nase vorn hat und es ein sehr enges Rennen werden wird: ich glaube, Obama schafft die Wahl. Nicht nur, weil er reden kann. Sondern weil er meint was er sagt, das Herz am rechten Fleck hat. Ich verweise nur auf seine Reaktion auf die Extremisten-Prediger-Affäre. Ich habe schon lange keine so intelligente, ja weise Rede mehr in einem amerikanischen Wahlkampf gesehen. Obama behandelt die Wähler wie Erwachsene, die durchaus zu komplizierten Gedankengängen fähig sind. Und nicht wie triebgesteuerte Tiere, denen man nur genug Angst machen muss, damit sie schön in der Herde bleiben.

Genährt wird mein Optimismus ausserdem durch die Wahl von Sarah Palin als McCains Vize. Auch wenn diese Nomination im Moment die Kampagne von McCain beflügelt (weil sie eine Konzession an die Rechte ist und diese mobilisiert) - langfristig wird sie sich als Fehler herausstellen.

Obama wird von zwei Wählerschichten profitieren: einerseits urbane, gemässigte Liberale, also aus der Mitte. Und andererseits wird er Junge und Politikverdrossene mobilisieren. Und beide Gruppen werden von kaum jemandem so provoziert wie von Palin. Ihre Figur wird diese Gruppen erst recht an die Urne bringen.

Ultrarechter als Palin kann man nicht sein. Die Frau ist unerfahren und extremistisch und hat zu viele Probleme im Umfeld. Die Nomination ist darum rein politisch zu werten, von Eignung für das Amt kann keine Rede sein - Palin als Präsidentin wäre eine Katastrophe. Entsprechend amüsant bzw. eigentlich infuriating ist es, wie am republikanischen Parteikongress auf dem Hochseil der Doppelmoral getanzt wurde. 

Die 17-jährige Palin-Tochter ist ledig schwanger. Darüber dürfe man Palin Senior aber nicht befragen, das sei eine rein private Angelegenheit, "a personal desicision". Die gleiche Partei will aber genau diese persönliche Entscheidung den Frauen vorschreiben - Palin ist Mitglied einer Organisation, die Abtreibungen auch bei Vergewaltigung oder Inzest verbieten will. Das findet man gar nicht widersprüchlich. Klingt etwas nach Dick Cheney, der trotz lesbischer Tochter gegen die Homoehe ist.

Republikaner wie Palin hängen einem Bild des heilen Kleinstadt-Amerikas der 50er-Jahre nach, das es so wohl nie gegeben hat und das sie selber nicht definieren können, ohne in nichts sagende Gemeinplätze zu verfallen ("apple pie, common sense, no need to close the door, America is awesome"). Doch in der privaten Lebensrealität von zentralen Figuren der Partei klaffen die Risse so deutlich, dass es schwer nachvollziehbar ist, wie sie persönlich diesen Spagat durchhalten können.

Damit nicht genug: Nachdem Obama mit seinem "Change"-Thema erfolgreich war, entdecken nun die Republikaner den Wandel für sich. Auch wenn sich die Positionen McCains praktisch mit denen Bushs decken. Auch wenn (auch das hat die Nomination Palins gezeigt) die Evangelikalen nach wie vor stark sind in der Partei. Change für McCain heisst vor allem, die eigenen Positionen zu ändern, dass er seiner Partei genehm wurde.

McCain ist ein respektabler Mann und hat im Senat einiges erreicht. Wenn im Wahlkampf aber immer und immer wieder der Kriegsheld McCain gezeigt wird, dann sei daran erinnert, dass McCain die Marineschule in Annapolis als 894. von 899 abgeschlossen, in seiner Aktivzeit 5 Flugzeuge verschrottet hat und heute nur als Kriegsheld auftreten darf, weil er das Glück hatte, einen Admiral zum Vater zu haben und in Gefangenschaft zu geraten. Und dieser Mann, der selber nicht weiss, wie viele Häuser er besitzt, wirft Obama vor, elitär zu sein.

No, we can't

Change bei Obama hingegen heisst vor allem: alles wird besser, und zwar wirklich alles. Die Immobilienkrise wird gelöst, die Gesundheitsversorgung und die Schulbildung sicher gestellt, die Jungs im Irak werden heil nach Hause geholt und überhaupt wird die Welt befriedet und auch gleich noch abgekühlt. Ohne Steuererhöhungen oder eine weitere erhebliche Verschuldung kann das auch ein Moses wie Obama nicht schaffen. Letzteres kann sich ein Land mit einem Exportdefizit von 700 Milliarden und einem Minus im aktuellen Budget von 400 Milliarden schlicht nicht mehr leisten.

Und das wird den jetzt frohlockenden Europäern spätesten in zwei Jahren auffallen. Man wird sich ein bisschen verschaukelt vorkommen. Man wird enttäuscht sein.

Wenn ich Republikaner wäre, würde ich mich zurücklehnen und den jungen Schnösel mal machen lassen. In zwei Jahren sind Kongresswahlen, man könnte dem neuen Präsidenten und den Demokraten vorhalten, was sie alles nicht geschafft haben, und die Mehrheit im Kongress zurückerobern. Und dann wäre eine zweite Amtszeit für Obama kaum noch zu erreichen.

Das Problem an diesem Plan: der alte Mann McCain wird den Rummel nicht ein drittes Mal über sich ergehen lassen wollen/können. Ausser ihm haben die Republikaner aber nicht viel zu bieten. Den Lackaffen Romney? Den Grummelopa Thompson? Den Fanatiker Huckabee? Der 9/11-Leiermann Giuliani? Keiner von denen wäre in der Lage, die Probleme der letzten Grossmacht zu lösen. Kein Wunder, wenn die Russen ihre Chance sehen und schon mal heftig mit ihrem längsten Säbel rasseln: der Russian Tank Invasion.

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Die Geburt der virtuellen Demoktratie

Diesen Moment werden sich spätere Historiker der virtuellen Welten als zentralen Moment bezeichnen: Das Multiplayer-Online-Spiel "EVE Online" ist die erste virtuelle Welt, die mit der Demokratie experimentiert.

Virtuelle Welten werden von immer mehr Menschen bewohnt. 11 Millionen leben allein in World of Warcraft. Wenn man vor allem im asiatischen Raum sehr populäre Spiele und die diversen kleineren Online-Spiele im Westen dazu zählt, muss man von mindestens 30 Millionen Menschen ausgehen, die regelmässig in einer virtuellen Welt leben (spielen, Menschen treffen, "arbeiten"). Diese Zahl steigt laufend an.

Die meisten dieser Menschen sind sich gewohnt, in einem demokratischen System zu leben. Je wichtiger ihnen ihre Identität im virtuellen Leben wird, desto eher werden sie an das virtuelle Leben die gleichen Anforderungen stellen wie an das reale - und auf Grundrechte pochen: Freiheit der Meinungsäusserung, Rechtssicherheit, Mitspracherecht.

Bisher sind aber alle virtuelle Welten äusserst autokratisch organisiert: schon beim ersten Betreten treten die Spieler so gut wie jedes Recht an die Hersteller- und Betreiberfirma ab. Diese können aus sehr vielen verschiedenen Gründen den Account der Spieler beenden - und damit ihre Existenz in der virtuellen Welt. Änderungen an der Spielwelt und den Regeln werden von den Gamedesignern bestimmt, ohne Mitwirken der Spieler - im besten Fall werden sie erklärt und behutsam eingeführt; es behält sich aber jeder Gamedesigner das Recht vor, auch unpopuläre Massnahmen mit harter Hand durchzusetzen.

Das alte Argument für dieses Vorgehen lautet: Wir, die Designer, müssen das Gemeinwohl, das Funktionieren des Spiels im Auge behalten - und nur wir können das. Wem das nicht passt, kann ein anderes Spiel spielen gehen.


Und nun wagen die isländischen Designer von EVE Online, CCP, einen grossen Schritt: alle Bewohner der EVE-Online-Welt konnten 9 Spieler wählen, die sie ab jetzt vertreten werden. Diese 9 wurden von CCP nach Reikjavik geflogen und konnten mit den Entwicklern direkt ihre Anliegen besprechen. CCP will das alle 6 Monate wiederholen.
Nach Island notabene, das Land des Althing, eines der sehr frühen demokratischen Institutionen in Europa (10 Jh.). Die isländischen Spielentwickler sind sich der Symbolkraft natürlich bewusst: machten sie doch mit den Spielervertretern einen Ausflug an den Ort, wo in Island das Alþing stattfand (eine jährliche Zusammenkunft in Þingvellir, von Vertretern der verschiedenen Region und Clans, bei der neue Gesetze diskutiert und durch lautes Vorlesen in Kraft gesetzt wurden).


Natürlich könnte man das jetzt despektierlich als erweiterte Focusgroup plus geschickte Vermarktung abtun. Mit einer gewählten Regierung hat diese Spielervertretung ohne echte Kompetenzen natürlich nicht viel zu tun.

Aber: damit ist ein erster Schritt getan, und er wird Signalwirkung haben. Einerseits für die Bewohner von virtuellen Welten, die ihre Rechte nun vehementer einfordern werden. Und andererseits auch für die Entwickler und Betreiber dieser Welten, die vom Beispiel lernen und die Angst vor der Demokratie verlieren werden.

Face to Face: A Council of Online Gamers (New York Times)

Wie wir aus historischer Erfahrung wissen, entstehen auch demokratische Systeme selten ohne Konflikt. Nicht anders in EVE: der Schritt, Spielern Mitspracherecht zu geben, erfolgte nach einem grösseren Aufruhr. Es gab plötzlich Vorwürfe, dass eine mächtige Gruppe im Spiel heimlich Unterstützung von den Entwicklern erhielt - dass das der eigentliche Grund für die Macht sei, und nicht etwas eine besonders clevere Spielweise. Damit wurde sowohl die Glaubwürdigkeit der Gruppe als auch die der Spielentwickler in Frage gestellt - als Ausweg aus diesem potentiell geschäftsvernichtenden Glaubwürdigkeitsproblem wählte CCP den Weg der Transparenz und schlug die Spielervertreter vor. Ob die Entwickler auf die Spieler hören, ist noch offen. Sie sind sich aber selber bewusst, dass es hier nicht nur um das Spiel und das Geschäft geht - sondern dass auch eine seltene Chance auf ein bedeutendes soziales Experiment besteht.

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