Tolle Thesen testen

Zu Games und IT. Wer besser denken kann: per Kommentar beweisen! Diskursiver Positivismus! Oy vey!! 
Alles über

Netzwerk

 

Ostafrika erhält schnelles Internet

Es ist schon lange her, dass eine Fussball-WM etwas wirklich gutes gebracht hat. Für Afrika hat sich die WM nächstes Jahr in Südafrika jetzt schon gelohnt: Soeben wurde das SEACOM-Unterseekabel fertig gestellt. Dieses Kabel verbindet Europa und Indien mit Ostafrika und bringt damit schnelles und günstiges Internet über eine 1.28 Terabit/s-Leitung.

(Alle Bilder: seacom.mu)

Das 17'000 Kilometer lange Kabel kommt von London und Marseille und schliesst Ras Sidr (Ägypten), Jeddah (Saudi Arabien), Djibouti, Mombasa (Kenia), Dar es Salaam (Tansania), Toliary (Madagascar), Maputo (Mozambique) und Mtunzini (Südafrika) an. Am Horn von Afrika zweigt das Kabel ausserdem nach Osten ab und verbindet Mumbai in Indien. Bald sollen ausserdem noch Addis Abeba (Äthiopien) und Kigali (Ruanda) angeschlossen werden.

(Eine Verbindungsbox mit Fiber Loopbacks.)

Bisher war Ostafrika nur über Satelliten ans Internet angeschlossen. Diese Leitungen sind im Vergleich zu Unterseekabeln langsam und teuer. Mit dem neuen Kabel erhält Afrika also schnelles und günstiges Internet. Nicht nur im Osten: Auch an der Westküste sind verschiedene Kabel im Bau (Glo-1, WACS). Das wird nicht nur mehr Kapazität geben, sondern auch Wettbewerb und damit günstigere Preise für die Benutzer. Insgesamt werden bis 2011 2.4 Milliarden US Dollar investiert.

Aus persönlicher Erfahrung weiss ich, dass Internet-Verbindungen nach Afrika bisher sehr wacklig und langsam waren. Ein einfacher Text-Chat mit Antananarivo (Madagascar) war nie ohne Unterbrechungen möglich. Jetzt müsste sogar Videochat möglich werden - ein gewaltiger Sprung.

(Ein Pflug wird gewassert. In Küstennähe wird das Kabel damit eingegraben.)

Wie schnell diese schöne neue Kapazität aber wirklich bei den Endkunden ankommt, ist noch offen. Laut der BBC bieten z.B. kenianische Internetprovider zwar schon höhere Kapazitäten an, aber keine tieferen Preise. Zumindest für Firmenkunden sollen die Preise fallen: von 3000 Dollar (!!) für ein Mbit/s auf 600 pro Monat (die Angaben der BBC schlüsseln leider nicht auf, wieviel down/upload; zum Vergleich: bei uns kriegt man 1 Mbit/s upload und 10 - 20 Mbit/s download für 45-70.-; also grob zehn mal mehr Daten für zehn mal weniger Geld!).

Dennoch werden grosse Teile der Bevölkerung Ostafrikas noch länger keinen wirklich billigen Internetzugriff haben. Zum einen sind natürlich zusätzlich regionale Kabelnetze notwendig. Weil die über Land gezogen werden müssen, sind sie entsprechend teuer - und werden meist nicht von internationalen Konsortien gebaut (wie die Unterseekabel), sondern von den afrikanischen Staaten selbst. Und zum anderen haben die meisten ländlichen Regionen selten zuverlässige Stromnetze. Trotzdem: gerade für Schulen wäre der Anschluss ans Internet ein unglaublicher Gewinn.

Seacom goes live (Seacom)
Seacom Progress Map (Seacom)
Photos (Seacom)

Seekabel bringt schnelles Internet nach Ostafrika (Heise)

East Africa gets high-speed web (BBC)

Abgelegt unter  //   Netzwerk   Technologie  
Loading mentions Retweet

Kommentare [1]