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DRM

 

iTunes ohne DRM: Hat die Content-Industrie also etwas gelernt?

Die beste Meldung letzter Woche:  Bald sind sämtliche 10 Millionen Songs im iTunes Store von Apple ohne Kopierschutz (und in besserer Qualität) erhältlich. Apple zieht damit gleich mit Amazon (in den USA, in Europa überholen sie Amazon eigentlich sogar, weil der MP3-Shop hier erst in England verfügbar ist). Damit arbeiten alle grossen Labels und die zwei grössten Distributoren von Online-Musik ohne DRM/Kopierschutz.


Was im Netz allgemein als gewonnene Schlacht gegen Kundenverarsche gefeiert wird, ruft bei anderen Weltuntergangsstimmung hervor: die Süddeutsche schreibt etwa von einer "Aushebelung der Urheberrechte" und warnt vor einem "kulturellen Prekariat".

Was die SZ da im Anti-Hippie-Reflex daherschwurmelt, ist mehrheitlich Quatsch. Eingehen möchte ich aber nur auf diese Behauptung:

"Weil die Internetnutzer aber von Anfang an daran gewohnt waren, dass die Freiheit des Internets nicht nur die absolute, weltweite Meinungsfreiheit, sondern auch den kostenlosen Zugang zu Kulturgütern aller Art bedeutete, war es fast unmöglich, mit Musik, Filmen oder auch Zeitungsinhalten im Netz Geld zu verdienen."

Man kann mit Musik im Netz kein Geld verdienen? Blödsinn! Zwei Gegenbeispiele:

  • Apple hat in 6 Jahren iTunes 6 Milliarden Songs verkauft. Natürlich, mit Kopierschutz. Der war aber nicht da, um den Kunden das Gewissen zu beruhigen, sondern um die Labels dazu zu bringen, ihren Inhalt über iTunes anzubieten. Ich glaube keine Sekunde, dass diese tollen Umsätze jetzt plötzlich wegbrechen, im Gegenteil. Und die Labels auch nicht: dann wären sie den Deal nicht eingegangen.

  • Laut Amazon war Ghosts I-IV von NIN das meistverkaufte Album des Jahres 2008 im MP3-Store von Amazon. Es wurde wie alles bei Amazon MP3 ohne Kopierschutz verkauft. Ausserdem bot es Trent Reznor auf seiner eigenen Seite gratis zum Download an und lud es sogar höchstpersönlich auf Pirate Bay. Ein voller kommerzieller Erfolg, für den niemand etwas hätte bezahlen müssen.

Es gibt kaum ein stärkeres Produkt als Musik. Gute Musik erzeugt starke Emotionen, und ich bin überzeugt, dass es immer Menschen geben wird, die bereit sind, dafür Geld auszugeben.

Was allerdings nicht mehr geht: mir einen Song noch einmal verkaufen zu wollen, weil ich ihn auch auf meinem Handy hören möchte. Eine CD mit einem Hit und 9 Füllern drauf. Ein Album da herauszugeben und dort nicht. Das sind aber alles Methoden, denen niemand nachweinen wird, ausser denen, die damit Geld verdient haben.

Trotzdem finden sich Wege, mit Musik Geld zu verdienen. Die Musikindustrie, präziser die grossen Labels, haben mit dem iTunes-Deal einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Ob sie aus dem ganzen DRM-Schlamassel aber wirklich etwas gelernt haben? Ich habe meine Zweifel.

Vor allem, weil Apple einen Preis zahlen musste für den Deal: sie mussten die Ein-Preis-Politik aufgeben. Bisher kostete ein Song 1.50, ein Album 15.-. Alle wurden gleich behandelt. Das war den Labels schon lange ein Dorn im Auge, und jetzt habe sie erreicht, was sie wollten: drei verschiedene Preise: $0.70, $1, $1.30 (CH-Preise sind noch nicht offiziell bekannt; 1.-, 1.50 und  2.- tönt plausibel).
Das wird sich wohl so auswirken: Hits und grosse Neuerscheinungen werden teurer, Back Catalog wird billiger. So sieht also die Lösung der Musikindustrie aus: DRM hat eh nicht funktioniert, lassen wir das also weg; unsere Umsätze gehen aber trotzdem zurück, lass uns unser Produkt einfach teurer verkaufen. Scheint mir ein nur mässig cleverer Gedankengang zu sein.

Ernüchternd ist ausserdem, dass die anderen Content-Produzenten felsenfest entschlossen sind, die Fehler der Musikindustrie zu wiederholen. Bei den digitalen Büchern herrscht DRM-Chaos vor, bei Games gab es letztes Jahr einige Beispiele dafür, das Konsumenten DRM zu Recht als unnötiges Ärgernis empfinden (z.B. Spore).

Gerade bei Games ist die Haltung der Kunden sehr ähnlich wie bei Musik: Wenn ich etwas gekauft habe, will ich damit machen können, was ich will - abspielen/installieren, wann und wo ich will. Dementsprechend ist der Druck auf DRM gewachsen. Die Kopierschutzkrücken werden sich aber wohl länger halten, auch weil Games ein teureres Produkt sind (90.- statt 20.-) und weil Konsolen eh ein geschlossenes System sind. Eine Chance hat DRM trotzdem nicht. Wir wissen, was Konsumenten von DRM halten. Sie hassen es, und sie werden es umgehen.

Lediglich beim Film sehe ich eine Chance für faires DRM. Film unterschiedet sich von Games und Musik, weil die Mehrheit der Konsumenten einen Film nicht besitzen, sondern einmal sehen wollen. Deswegen steht die DVD eigentlich etwas quer in der Gegend - eine saubere digitale Distribution mit zuverlässigem DRM fürs Einmalschauen würde das Heimkino eigentlich zu dem machen, was es sein soll: wie Kino, einfach etwas kleiner und dafür billiger+bequemer.

Insgesamt gilt aber auch hier das alte DRM-Mantra: wer die Mehrheit seiner ehrlichen Kunden wie Verbrecher behandelt und gleichzeitig die Verbrecher an ihrem Tun nicht hindern kann, der wird die Zeche dafür bezahlen.


Wird das Ende des Musik-DRMs euer Kaufverhalten beeinflussen? Welche DRM-Massnahmen für welche Medien wärt ihr bereit zu akzeptieren?

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Little Big Dick Move

Langsam tröpfeln die Ankündigungen zum Downloadable Content für Little Big Planet herein. Einige Kostüme gibt es gratis (Raumanzug - Yay!, Halloween-Kürbiskopf - Buuuh!) und einige kosten.

Was wäre euch dieses T-Shirt da unten wert?


Ich nehme an, niemand von euch hat viel mehr als "en Stutz" gesetzt. Na, dann setzt euch, denn dieses "Seltene Woche 1-T-Shirt" kostet sage und schreibe CHF 7.95.


Sehr geehrte Damen und Herren bei Sony Computer Entertainment Europe! SIND SIE NOCH GANZ DICHT? Welche gierigen Geiferlappen machen bei Ihnen die Preise? Acht Franken für ein digitales T-Shirt? Zehn dieser Kostümchen sollen gleich viel wert sein wie das ganze fucking Spiel?!? Das ist echt the dickiest dick move that has ever been moved and/or dicked

Offenbar sind im Moment eh die Dicks am Drücker bei Sony & Media Molecule. Neben der völlig durchgeknallt überrissenen DLC-Preispolitik tauchen nun Beschwerden von gelöschten LBP-Levels auf:


Einige Spieler beklagen sich, dass publizierte Little-Big-Planet-Levels gelöscht wurden. In den meisten Fällen scheinen Copyright-Überlegungen ausschlaggebend zu sein. Sony entfernt ("moderiert") solche Levels einfach aus dem "Share"-Teil des Spiels, ohne Begründung, ohne die Betroffenen vorzuwarnen, und ohne diesen die Möglichkeit zu geben, ihre Levels anzupassen. Die Levels können ausserdem nicht erneut publiziert werden (auch wenn sie verändert wurden).

Klar, Sony will sich nicht Copyright-Klagen aussetzen. Sie wählen hier aber erneut die Holzhammer-Lösung, indem sie den Betroffenen jedes Recht auf Einsprache verwehren. Einige der gelöschten Levels könnten durchaus unter Fair Use legal sein - auf diese Diskussionen will sich Sony aber offenbar gar nicht erst einlassen.

Nach der rückgratlosen Zensur und den skandalösen Nutzungsvereinbarungen ist das nun der dritte Little Big Dick Move in drei Wochen. Und das bei einem Spiel, das auf User Generated Content setzt und damit abhängig von einer lebhaften und gutgesinnten Community wäre.

Vornerum von Kreativität und den beflügelnden Möglichkeiten zu labern, hintenrum dann aber arrogant und stur die User knechten und knebeln. Way to go, Sony!

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Italien vs. Piraten


Der schwedische Bittorrent-Tracker The Pirate Bay ist in Italien gesperrt worden. Damit schlägt Giancarlo Mancusi, Staatsanwalt in Bergamo, wieder zu: sämtliche italienischen Internet-Provider wurden aufgefordert, die IPs von Pirate Bay zu sperren.

Ein Tracker bietet Torrent-Files zum Download an. Diese Torrent-Files enthalten selber keinerlei Inhalt, verweisen aber auf Bittorrent-Schwärme, die auch urheberrechtlich geschützte Inhalte wie Filme, TV-Serien oder Musik enthalten können. 

Eine italienische Variante eines solchen Trackers, Colombo-BT, hat Mancusi vor zwei Wochen schliessen lassen.

Colombo-BT Shut down

Die Schweden sind wie immer sehr direkt in ihrer Reaktion und vermuten, dass die Aktion von Berlusconi persönlich befohlen wurde - der als Besitzer eines grossen Medienkonzerns natürlich ein sehr direktes Interesse daran hat, die illegale Verbreitung seiner Inhalte zu unterbinden.

Die IP-Sperraktion ist ziemlich hilflos: nachdem die Schweden ihre IPs geändert haben, und in Italien unter labaia.org ein Mirror eingerichtet wurde, können viele Italiener bereits wieder auf die Piratenbucht zugreifen. Der Effekt der Sperraktion ist also vor allem Gratiswerbung.

Pirate Bay hisst in Italien wieder die Segel (Heise)

Free advertising for The Pirate Bay: Italian ISPs block site (Ars Technica)

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YouTube vs. Berlusconi vs. Bayonetta

Hinter Viacom reihen sich andere ein, die sauer auf YouTube sind. Nun auch Silvio Berlusconi, resp. sein Imperium Mediaset. Schon vor einer Weile hat Telecinco in Spanien gegen YouTube geklagt (ein Sender, der Mediaset gehört); und nun auch noch Mediaset selber, in Rom. Wie immer wegen unerlaubter Verbreitung urheberrechtlich geschützter Inhalte.

Mediaset Sues Google, YouTube, Seeking EU500 Million (Bloomberg)

Gewissenhaft rechnen die Anwälte von Mediaset vor, wie viel ihnen YouTube schuldet: MediaSet-Clips auf YouTube entsprächen 315'672 Tagen (!) Fernsehen, und deshalb wollen sie einen Schadenersatz von 500 Millionen Euro für entgangene Werbeeinnahmen.


Mal ganz abgesehen davon, dass die halbe Milliarde Euro sehr nach Dr. Evil klingt - "One Million Dollars!!" - siehe:


Also ganz abgesehen davon ist das dieselbe Mongo-Logik, die von der Musikindustrie auch so gerne bemüht wird, wenn sie berechnet, wie viel Trilliarden sie an die Piraten verliert. Weil ja schliesslich jeder und jede einzelne, die einen Zwei-Minuten-Clip auf YouTube schaut, natÜÜrlich, wenn es YouTube nicht gäbe, STUNDENLANG Mediaset-Sender schauen würde, inklusive STUNDENLANGER Werbung.

Gääähn. Äxgüsi, langweilt mich grade, und drum schaut euch doch dieses Preview auf Bayonetta an.

Bayonetta (Eurogamer) resp. eigentlich vor allem den Teaser-Trailer

Ich finde, mehr Frauen sollten solche Schuhe tragen:


Ja, das ist eine Pistole als Absatz. Ja, damit schiesst sie Männern ins Gesicht (nur den wirklich Bösen, nehme ich jetzt einfach mal an). Davor hat der Designer von Bayonetta, Hideki Kamiya, gar keine Angst, im Gegenteil:

"I feel strongly that women should dress like her. Like, when she does the hair attacks, you see her skin. So I want women to wear fashion like that."

Devil May Cry The Harlot And Bayonetta's Flesh Flashing Hair Attacks! (Kotaku)

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Breaking: YouTube übergibt Benutzerdaten an Viacom - anonymisiert


Wie bereits berichtet (Viacom weiss, was du geschaut hast) hat im Prozess von Viacom vs. Youtube ein Richter Google (Besitzerin von YouTube) dazu verpflichtet, sämtliche YouTube-Log-Dateien an Viacom zu übergeben. Nach dem Aufschrei der Datenschützer haben sich die Anwälte der Parteien an einen Tisch gesetzt und erfolgreich verhandelt:

Google darf die Daten nun anonymisieren, muss also IP-Adressen und YouTube-Benutzernamen nicht an Viacom liefern. Sie werden stattdessen durchnummeriert; eine IP entspricht also einer neutralen Nummer. Damit ist die YouTube-History eines einzelnen Benutzers nach wie vor lückenlos nachvollziehbar, dieser Nutzer bleibt aber anonym.

Google und Viacom einigen sich auf Übergabe anonymisierter YouTube-Logfiles (Heise)
Viacom 'backs off' YouTube demand (BBC)

Naja, wenigstens ein Teilerfolg. Doch wer sich noch an den Skandal um die veröffentlichten AOL-Suchanfragen erinnern kann, ist nicht so wohl nicht so sicher. Zur Erinnerung: AOL veröffentlicht anonymisiert 20 Millionen Suchanfragen, "zu Forschungszwecken". Jemand nimmt das wörtlich und erforscht, dass es trotz der Anonymisierung in einzelnen Fällen möglich ist, den anonymen Suchbegriffen eine echte Person zuzuordnen. Demnach müsste es auch mit den YouTube-Daten möglich sein, diese mit anderen Datenquellen anzureichern und so auf Einzelne zurückzuverfolgen.

You Are What You Search (Slate)
AOL admits ‘screw up’ over user privacy (e-consultancy)

Google hat das Vertrauen der eigenen User einigermassen gerechtfertigt und die Privatsphäre wenigstens teilweise gewahrt. Ob ich den Beteuerungen der nach wie vor Prozess-geilen Viacom-Anwälte Glauben schenken soll? Man wird sehen.

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