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Pirate Bay Ausverkauf

Na, das ist mal eine Bombe: ein schwedisches Unternehmen namens Global Gaming Factory X AB (GGF) kauft die Pirate Bay (TPB).

Pirate Bay to sell to private company, go legit (?) (!) (BoingBoing)
The Pirate Bay Sold To Software Company, Goes Legal (TorrentFreak)
The Pirate Bay Will Close Its Tracker and Remove Torrents (TorrentFreak)
Pirate Bay Bought Out, Suddenly Respects Copyrights (Gizmodo)

Und die offiziellen Verlautbarungen:

TPB might change owner (The Pirate Bay)
Global Gaming Factory Press Release (PDF)


Für knapp 8.5 Millionen Franken will GGF die Piraten aufkaufen. Die Hälfte davon in Aktien, die andere Hälfte in bar, der Deal soll bis im August über die Bühne, ist also noch nicht unter Dach und Fach (. Das ist sehr wenig für eine Website, die ca. 1.8 Millionen Torrents verteilt und über 20 Millionen User haben soll. Andererseits ist der Kauf natürlich stark risikobehaftet, die Berufung des verlorenen Prozesses noch hängig (die vier Piraten vor Gericht wurden in erster Instanz zu je einem Jahr Gefängnis und total zu 30 Mio SEK Schadenersatz verurteilt).

Die bis jetzt bekannten öffentlichen Statements sind ziemlich neblig. Die Pirate Bay redet davon, die Seite mit den richtigen Leuten weiterzuentwickeln (GGF hat gleichzeitig noch das P2P-Technologie-Startup Peerialism gekauft, für 100 Millionen SEK, ebenfalls hälftig in Cash und Aktien), und hofft, dass die neuen Besitzer die Seite nicht kaputtmachen. Die alte Crew wolle weiterhin politisch aktiv bleiben, es sei "win-win-win" und man solle "happy" sein.

Die neuen Besitzer (die bisher offenbar Internet-Cafés und Gaming Venues betrieben und Software hergestellt haben) klingen etwas anders. Dort will man neue Geschäftsmodelle einführen, die es möglich machen sollen, Content zu bezahlen. Was genau das für Modelle sein sollen, ist offen. Ein echtes Bezahlen für Inhalt ist undenkbar, siehe Napster. Vielleicht stellt man sich bei GGF vor, Einkünfte der auf der Seite geschalteten Werbung mit Content Providern zu teilen. Warum diese daran Interesse haben sollen, bleibt schleierhaft: schliesslich haben sie die Pirate Bay bereits vor Gericht gezogen und zumindest in erster Instanz den Prozess gewonnen.

Die Reaktionen in Blog-Comments und auf Twitter sind grossmehrheitlich die der Enttäuschung und der Wut. Man fühlt sich verraten, der Grundtenor ist "Ausverkauf!". Da hilft es wenig, dass die Pirate-Bay-Leute davon sprechen, das Geld des Verkaufs in eine Stiftung für Rede-, Informations- und Netzwerkfreiheit stecken zu wollen - die vollmundige Freiheitskämpfer-Pose verliert auf einen Schlag ihren Glanz.

Die zugänglichen Informationen im Moment sind noch recht spärlich, es ist deshalb schwierig, sich einen Reim auf die Geschichte zu machen. Ich sehe zwei mögliche Lesarten:

  • Die Piraten haben die Hosen voll und hängen ihre Piratenhüte an den Nagel.. Sie haben einen Glücksritter gefunden, der etwas Spielgeld übrig hat (total für beide Käufe mindestens 11 Mio. Franken in bar) und hofft, vom Bekanntheitsgrad der Pirate Bay zu profitieren. Indizien dafür sind die schwammige Beschreibung des neuen Businessmodells und der Umstand, dass der Bargeld-Teil des Deals genau der Schadenersatzforderung des Prozesses entspricht.

  • Die zweite Möglichkeit ist etwas abenteuerlicher. Das Hauptproblem der Pirate Bay ist der Tracker, weil das ein mehr oder weniger zentraler Dienst ist, den die Piraten selber betreiben. So werden sie angreifbar, technisch und juristisch. Evtl. wollen sie das ändern, dezentralisieren, verteilen. Peerialism könnte technologische Hilfe bieten. GGF wäre dann eher so etwas wie eine legitime Front, die Versprechen der Legalisierung nur Vernebelungstaktik und Spiel auf Zeit. Indizien für diese Theorie: In ihrem Blog-Eintrag reden die Piraten davon, "to evolve the protocols" und "everybody can be the owner". Und Torrentfreak schreibt, dass der Tracker abgeschaltet werden soll und: "[T]he site will use a new torrent hosting service that will store the torrents for them. This new hosting service will be open to other torrent sites as well and can be accessed through an API."

Auch wenn diese zweite Lesart technisch denkbar ist, sehr wahrscheinlich ist sie nicht. Einerseits, weil GGF börsenkotiert ist und damit ein hohes Risiko eingehen würde (wenn sie allerdings davon ausgehen, mit TPB wirklich Geld machen zu können, spricht das auch nicht gerade für sie). Andererseits, weil die Piraten den Kampf um die öffentliche Wahrnehmung der Transaktion schon so gut wie verloren haben: Wer sich jetzt verraten fühlt, wird sich nach einem Ersatzdienst umsehen und nicht so lange warten, bis die neue Pirate Bay fertig dezentralisiert hat. Und weil sich wohl auch die politischen Bewegungen veräppelt vorkommen, könnte die Pirate Bay den Filesharing-Aktivisten einen echten Bärendienst erwiesen haben.

Was meint ihr? Ist den Piraten einfach die Luft ausgegangen oder ist das stattdessen ein cleverer, zukunftsorientierter Schachzug?


Update:

Der schwedische Podcast What's Next hat ein Interview mit Peter Sunde gemacht. Nicht viel erhellendes (ausser den Details zu der Stiftung); der allgemeine Ton von Sunde lässt aber drauf schliessen, dass die erste Lesart wohl die richtige ist: Die Piraten sind ausgelaugt und haben genug. Wie sich GGF vorstellt, mit der Pirate Bay Geld zu verdienen, bleibt offen.

Update 2:

Interviews des GGF-CEO Hans Pandeya mit Business Week und Wired machen deutlicher, wie GGF mit der Pirate Bay verdienen will. Einerseits will man sie legalisieren, indem man Tantiemen an die Musikindustrie zahlt. Wieviel wofür? Keine Verhandlungen sind im Gang. Andererseits will man die Netzwerkkapazität all dieser Filesharer bündeln (à la SETI@home, aber nicht CPU, sondern Upload) und verkaufen, an Leute, die schnell viel Kapazität brauchen (jmd, der ein sehr beliebtes File zum Download anbieten will). Die Filesharer sollen für das zur Verfügung stellen ihrer Leitung entlöhnt werden. Auch hier keine Zahlen. Business Week nennt diesen Plan "weird" und weist darauf hin, dass unklar ist, ob die User unter ihren ISP-Nutzungsbedingungen das überhaupt dürfen (wird von Land zu Land und Provider unterschiedlich sein). Und dann will man noch 40 Millionen Euro mit Werbung auf der Seite verdienen.

Mut haben sie ja, diese Schweden. Dieser Plan geht nämlich nur auf, wenn die 20 Millionen User bleiben und weiterhin downloaden - aus einem Angebot, das garantiert kleiner wird (Lizenzverhandlungen) und ohne das ideologische "Finger to the Man"-Hochgefühl. Ich hätte da nicht investiert.

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Italien vs. Piraten


Der schwedische Bittorrent-Tracker The Pirate Bay ist in Italien gesperrt worden. Damit schlägt Giancarlo Mancusi, Staatsanwalt in Bergamo, wieder zu: sämtliche italienischen Internet-Provider wurden aufgefordert, die IPs von Pirate Bay zu sperren.

Ein Tracker bietet Torrent-Files zum Download an. Diese Torrent-Files enthalten selber keinerlei Inhalt, verweisen aber auf Bittorrent-Schwärme, die auch urheberrechtlich geschützte Inhalte wie Filme, TV-Serien oder Musik enthalten können. 

Eine italienische Variante eines solchen Trackers, Colombo-BT, hat Mancusi vor zwei Wochen schliessen lassen.

Colombo-BT Shut down

Die Schweden sind wie immer sehr direkt in ihrer Reaktion und vermuten, dass die Aktion von Berlusconi persönlich befohlen wurde - der als Besitzer eines grossen Medienkonzerns natürlich ein sehr direktes Interesse daran hat, die illegale Verbreitung seiner Inhalte zu unterbinden.

Die IP-Sperraktion ist ziemlich hilflos: nachdem die Schweden ihre IPs geändert haben, und in Italien unter labaia.org ein Mirror eingerichtet wurde, können viele Italiener bereits wieder auf die Piratenbucht zugreifen. Der Effekt der Sperraktion ist also vor allem Gratiswerbung.

Pirate Bay hisst in Italien wieder die Segel (Heise)

Free advertising for The Pirate Bay: Italian ISPs block site (Ars Technica)

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YouTube vs. Berlusconi vs. Bayonetta

Hinter Viacom reihen sich andere ein, die sauer auf YouTube sind. Nun auch Silvio Berlusconi, resp. sein Imperium Mediaset. Schon vor einer Weile hat Telecinco in Spanien gegen YouTube geklagt (ein Sender, der Mediaset gehört); und nun auch noch Mediaset selber, in Rom. Wie immer wegen unerlaubter Verbreitung urheberrechtlich geschützter Inhalte.

Mediaset Sues Google, YouTube, Seeking EU500 Million (Bloomberg)

Gewissenhaft rechnen die Anwälte von Mediaset vor, wie viel ihnen YouTube schuldet: MediaSet-Clips auf YouTube entsprächen 315'672 Tagen (!) Fernsehen, und deshalb wollen sie einen Schadenersatz von 500 Millionen Euro für entgangene Werbeeinnahmen.


Mal ganz abgesehen davon, dass die halbe Milliarde Euro sehr nach Dr. Evil klingt - "One Million Dollars!!" - siehe:


Also ganz abgesehen davon ist das dieselbe Mongo-Logik, die von der Musikindustrie auch so gerne bemüht wird, wenn sie berechnet, wie viel Trilliarden sie an die Piraten verliert. Weil ja schliesslich jeder und jede einzelne, die einen Zwei-Minuten-Clip auf YouTube schaut, natÜÜrlich, wenn es YouTube nicht gäbe, STUNDENLANG Mediaset-Sender schauen würde, inklusive STUNDENLANGER Werbung.

Gääähn. Äxgüsi, langweilt mich grade, und drum schaut euch doch dieses Preview auf Bayonetta an.

Bayonetta (Eurogamer) resp. eigentlich vor allem den Teaser-Trailer

Ich finde, mehr Frauen sollten solche Schuhe tragen:


Ja, das ist eine Pistole als Absatz. Ja, damit schiesst sie Männern ins Gesicht (nur den wirklich Bösen, nehme ich jetzt einfach mal an). Davor hat der Designer von Bayonetta, Hideki Kamiya, gar keine Angst, im Gegenteil:

"I feel strongly that women should dress like her. Like, when she does the hair attacks, you see her skin. So I want women to wear fashion like that."

Devil May Cry The Harlot And Bayonetta's Flesh Flashing Hair Attacks! (Kotaku)

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Breaking: YouTube übergibt Benutzerdaten an Viacom - anonymisiert


Wie bereits berichtet (Viacom weiss, was du geschaut hast) hat im Prozess von Viacom vs. Youtube ein Richter Google (Besitzerin von YouTube) dazu verpflichtet, sämtliche YouTube-Log-Dateien an Viacom zu übergeben. Nach dem Aufschrei der Datenschützer haben sich die Anwälte der Parteien an einen Tisch gesetzt und erfolgreich verhandelt:

Google darf die Daten nun anonymisieren, muss also IP-Adressen und YouTube-Benutzernamen nicht an Viacom liefern. Sie werden stattdessen durchnummeriert; eine IP entspricht also einer neutralen Nummer. Damit ist die YouTube-History eines einzelnen Benutzers nach wie vor lückenlos nachvollziehbar, dieser Nutzer bleibt aber anonym.

Google und Viacom einigen sich auf Übergabe anonymisierter YouTube-Logfiles (Heise)
Viacom 'backs off' YouTube demand (BBC)

Naja, wenigstens ein Teilerfolg. Doch wer sich noch an den Skandal um die veröffentlichten AOL-Suchanfragen erinnern kann, ist nicht so wohl nicht so sicher. Zur Erinnerung: AOL veröffentlicht anonymisiert 20 Millionen Suchanfragen, "zu Forschungszwecken". Jemand nimmt das wörtlich und erforscht, dass es trotz der Anonymisierung in einzelnen Fällen möglich ist, den anonymen Suchbegriffen eine echte Person zuzuordnen. Demnach müsste es auch mit den YouTube-Daten möglich sein, diese mit anderen Datenquellen anzureichern und so auf Einzelne zurückzuverfolgen.

You Are What You Search (Slate)
AOL admits ‘screw up’ over user privacy (e-consultancy)

Google hat das Vertrauen der eigenen User einigermassen gerechtfertigt und die Privatsphäre wenigstens teilweise gewahrt. Ob ich den Beteuerungen der nach wie vor Prozess-geilen Viacom-Anwälte Glauben schenken soll? Man wird sehen.

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Viacom weiss, was du geschaut hast

Viacom hat im Prozess gegen Google/YouTube gerade einen ziemlich radikalen Zwischenerfolg eingefahren. Zwar muss YouTube nicht mit dem Source Code herausrücken, dafür aber mit sämtlichen Log-Dateien. Das hat U.S. District Judge Louis L. Stanton in Manhattan angeordnet.

 
Judge Orders YouTube to Give All User Histories to Viacom
 
Nochmal: sämtliche Log-Dateien. Ich warte schnell, bis das eingesunken ist.
...
Ok? Sämtliche Log-Dateien! Das heisst: YouTube-User-ID, IP-Adresse, Zeit und YouTube-Video-ID von jedem Benutzer, der je ein YouTube-Video geschaut hat.
Nicht etwa nur die Videos, die Inhalt enthalten, der Viacom gehört (im Viacom-Konzern sind z.B. Paramount Pictures und MTV). Sondern alle Videos. Nicht nur die Video-IDs und der Zeitpunkt, wann das Video geschaut wurde, sondern auch User-ID und IP. Viacom sagt, sie wollten mit diesen Daten beweisen, wie oft auf YouTube Inhalt geschaut wird, der eigentlich Viacom gehört.
Dass sie dafür eigentlich keine User-IDs brauchen, und auch nicht die Daten von Videos, die nicht Viacom gehören, das ist dem Richter nicht aufgefallen. Überhaupt, Herr Stanton muss komplett auf Drogen gewesen sein - gibt er mit dieser Anordnung den Anwälten von Viacom doch alle Daten in die Hand, die sie brauchen, um Prozesse gegen die einzelnen User anzustreben, die Videos mit Inhalt von Viacom hochgeladen haben.
Dass ein Richter einer Schar prozessgeiler Anwälte dermassen den Steigbügel hinhält, verschlägt mir den Atem.
 
Die Datenschutz-Organisation Electronic Frontier Foundation findet die Anordnung erwartungsgemäss schlimm und hält sie sogar für rechtswidrig:
Court Ruling Will Expose Viewing Habits of YouTube Users
 
Der Technologie-Blogger Michael Arrington bezeichnet den Richter als "moron":
Judge Protects YouTube’s Source Code, Throws Users To The Wolves
 
Dem schliesse ich mich an: dass ein Gericht einen Konzern zwingen kann, gesammelte Daten einem anderen Konzern auszuhändigen und damit die eigene Privacy Policy zu brechen, ist nicht nachzuvollziehen.
 
Arrington hofft darauf, dass Google stark bleibt und die Daten nicht herausrückt, auch auf die Gefahr einer saftigen Strafe hin nicht. Google ist in einer äusserst unangenehmen Lage: entweder bringen sie jeden Privacy-Aktivisten der Welt gegen sich auf, wenn sie die Daten rausrücken und riskieren eine Sammelklage von YouTube-Benutzern. Oder sie riskieren eine Strafe, wenn sie die Anordnung missachten und verlieren den Prozess gegen Viacom, die 1 Milliarde Dollar Schadenersatz gefordert haben. Heute schmeckt das Essen in der Google-Kantine wohl nicht so.
 
Update:
Die Meldung Google: Expects Viacom Will Take YouTube Data Without User Info zeigt, dass es einen Ausweg aus der Zwickmühle geben könnte: einerseits hat Viacom versichert, nicht auf die einzelnen User losgehen zu wollen (trauen wir ihnen? Klar sagen sie das); und andererseits hat Google bei den Anwälten von Viacom die Anfrage deponiert, ob sie die Logs auch ohne IP/Usernames akzeptieren würden. Damit liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, der die Benutzer schützen würde. Dumm steht nun Richter Stanton da, der wohl Nachhilfeunterricht in Datenschutzfragen braucht.
 
Update 2:
Die EFF hat sich noch einmal zu den Verhandlungen geäussert: Viacom's Statement on YouTube User Data Controversy. 
Die Privacy-Aktivisten sind verhalten optimistisch. Warum es aber nun an zwei privaten Konzernen liegen soll - noch dazu Gegner in einem laufenden Prozess -, die Privatsphäre der YouTube-Benutzer zu schützen, entgegen der Anordnung eines Gerichtes, ist seltsam. Wer schützt hier eigentlich das Gemeinwohl? Ob man nun der Meinung ist, der Markt müsse Privacy selber regeln, oder ob es dazu Gesetze braucht - dass Gerichte Privacy unterwandern, das will nun wirklich niemand.
 
 

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