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Palm Pre: Palm wacht aus dem Winterschlaf auf

Es gibt einen klaren Gewinner der CES: Palm. Das erste Mal seit langem haben die nämlich ein Gerät vorgestellt, das NICHT aussieht als hätte man es ca. 1999 konzipiert. Damit reagiert Palm immerhin zwei Jahre nach dem iPhone endlich auf die Herausforderung der Smartphone-Konkurrenz und lässt mit dem Pre den Treo Foleo vergessen (den Kollega Müller das "Officially Out Of Ideas-Gerät" nennt).

Die Blogs sind begeistert, und die Aktie hat einen Sprung um +35% gemacht (hockt aber mit $4.45 immer noch recht im Loch im Vergleich zu den $14 vor zwei Jahren).

Palm Pre Preview: Simply Amazing (Gizmodo)
Palm Unveils iPhone Competitor, the Pre (New York Times)
Hands on with the Palm Pre (MobileCrunch)
Resurrection on video: hands on with the Palm pré (Ars Technica)
Palm Stock Jumps 34.85% On Palm Pre News (Gizmodo)

Das Betriebssystem hat sich Palm selber ausgedacht, was ich etwas enttäuschend finde (weil ich immer noch hoffe, dass jemand kommt, der ein Android-Telefon präsentiert, das sich nicht wie ein Linux von gestern anfühlt - es wäre schade, wenn wir wieder 10 Jahre auf das Ubuntu der Androids warten müssen).

Trotz dieser Bedenken sieht das UI sehr durchdacht aus, z.B. in diesem Ars Technica-Video:

So muss ein Einstiegs-Schirm sein: beliebig konfigurierbar, und zwar weder als Desktop (wie Android) noch nur mit Applikationen (wie beim iPhone), sondern eine Mischung aus Applikationen und Daten, z.B. Kontakte - direkter, einhändiger Zugriff! Ebenso clever: das Adressbuch fasst alle Kontakt-Infos zusammen (Telefonnummern, IM, Facebook etc.) und öffnet die entsprechenden Anwendungen.

Die Karten-Metapher ist genial: zwischen Anwendungen (die gleichzeitig laufen können!) wechseln = Karten umsortieren. Eine Anwendung schliessen = Karte nach oben rauswerfen. Und der Shortcut-Bar, den man von unten per Daumen hereinholen kann: Zucker!

Klar, einige Elemente sind sehr direkt vom iPhone übernommen: z.B. der Seitwärts-Wipe, um Fotos zu scrollen. Apple hat hier halt Metaphern geschaffen, die zu stark sind, um sie nicht zu übernehmen. 

Trotzdem finde ich: Insgesamt ist der Pre nicht einfach ein iPhone-Klon, sondern richtig innovativ. Ich muss zugeben, das hätte ich Palm nicht mehr zugetraut.

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G1 - der Party Pooper Post

Das Internet ist seit gestern ganz aus dem Häuschen und kann über nichts mehr anderes reden kann als über das G1-Telefon. Google, HTC und T-Mobile bringen das erste Telefon auf Android-Basis auf den Markt.



Wohl aufgrund fortschreitender Alterung kann ich die fröhliche Kindergeburtstagsstimmung allerdings nicht nachvollziehen. Party Pooper Time!

  • 1 GB Speicher auf MicroSD? Echt? Und nur 20 Dollar billiger als das iPhone (mit 8 x soviel Speicher intern)? Das ist ein Witz. Es gibt zwar 8-GB-MicroSD-Karten, die kosten aber 40.- aufwärts. Und dann ist aus, mehr Speicher gibts nicht. Das ist viel zu wenig.

  • Jaja, Keyboard und so. Dafür ist das Gerät doppelt so dick wie ein iPhone. Auf Mundart sagt man "Chnoche". Und ob diese winzigen Tasten dann wirklich so viel besser zum tippen sind, kann man erst sagen, wenn man es in den Fingern hatte - "small, spongy and a bit recessed" (Gizmodo) klingt nicht gerade viel versprechend.

  • Nur ein Detail, aber eines das mich TOTAL aufregt: keine echte 3.5mm-Kopfhörer-Buchse. Stattdessen irgendwas doofes USB-ähnliches (ExtUSB, proprietär von HTC). Es soll zwar einen ExtUSB-auf-Klinke-Adapter geben, der ist aber erstens extra und zweitens noch gar nicht erhältlich! Soll ich Musik auf dem mitgelieferten Headset hören? Will ich aber nicht!

  • Das User Interface: ist nur ein erster Eindruck (aufgrund Videos), aber ich habe das Gefühl, dass Aktionen, die auf dem iPhone mit 2 Klicks erledigt sind, hier stattdessen ca. 5 brauchen. Dass man einen "Desktop" hat, mit Widgets drauf, und die installierten Anwendungen erst "hochklappen" muss, finde ich sehr unelegant. Ausserdem: Desktop-Metapher? Echt? Sehr 90er-Jahre. Insgesamt alles etwas langsamer (scrollen, zoomen, Reaktionszeit), insgesamt unpolierter.

  • Hallo Leser! Trägst du grade Anzug und Krawatte? Hast du bis jetzt noch gedacht: "Hm, vielleicht ist das doch etwas für mich"? Dann hör dir das an: keine Unterstützung für Exchange, kein Desktop-Sync. Tschü-hüüs, war schön, mit dir zu reden.
    Tja, die Geschäftskunden schauen in die Röhre: Synchen von Geschäftsmails, -kontakten und -terminen geht nicht (ausser das Geschäft arbeitet mit Gmail und Gcal, haha). Betretene Googlianer sagten an der MK, das müsse halt von einer 3rd Party entwickelt werden. Von wem denn bitteschön? Microsoft? Die haben ein Konkurrenzprodukt am Start (Windows Mobile) und wären irgendwie leicht bekloppt, wenn sie Exchange-Dienste für Android anbieten würden.

Und damit zeigt sich das Hauptproblem des G1: wer soll das kaufen? Die Geschäftskunden können nicht, und die Zivilisten wollen wohl nicht (weniger sexy, weniger Speicher, komplizierter). Das G1 beweist vor allem eines: Android als Plattform ist noch nicht marktreif.


Jöö, Panda! Äxgüsi, wo war ich? Ah ja: Auf einer Kinderparty! Und darum setze ich jetzt den Clownhut auf und gebe mir Mühe, zu lächeln:

  • Amazon MP3-Store! Ja! So geht das, Apple! So ziemlich die gleichen Features, aber ohne DRM! Allerdings: Da es den Amazon-MP3-Store ausserhalb der USA noch gar nicht gibt, frage ich mich, ob es dieses Feature zu uns schaffen wird. T-Mobile wird das G1 bald in Deutschland auf den Markt bringen wollen - ob es Amazon bis dann geschafft hat, alle Label-Deals unter Dach und Fach zu bringen, darf man zumindest anzweifeln. Mann, das Lächeln fällt mir echt schwer! Noch ein Versuch:

  • Ein paar der Demoapplikationen sind schon cool. Vor allem Google Maps Street View, das auf einen Kompass reagiert: was man auf einer Strasse vor sich sieht, ist also auch ziemlich genau das, was auf dem Gerät von Street View angezeigt wird. Hat bis jetzt noch keinen konkreten Nutzen, aber wenn das jemand mit Directions eines Routenplaners kombiniert, dann wird es richtig geil.

Und an diesem Beispiel kann man eigentlich das Fazit schon recht gut ablesen: Android hat sehr viel Potential, das von diesem ersten Gerät aber noch lange nicht ausgeschöpft wird.

Trotzdem: Symbian und Windows Mobile gehen heute Abend in eine kleine, heruntergekommene Bar und genehmigen sich eine Flasche billigen Whisky, zum Vergessen.

Wir dürfen nun den Wettbewerb zweier Systeme verfolgen: im linken Eck His Holy Steveness, der jeden Klick der Benutzer bestimmt und Inhalt, Form und Funktion jeder Applikation auf seinem iPhone kontrolliert. Und im rechten Eck bastelt Android, lässt jede Applikation zu, lässt mehrere davon gleichzeitig laufen, auf alle Hardware-Ressourcen zugreifen, und nimmt dafür ein paar unsaubere Kanten in Kauf.

Die verärgerten iPhone-App-Store-Entwickler könnten zu Android abwandern, weil sie dort tun und lassen können, was sie wollen, und weil so ihre Investitionen sicherer sind (weil niemand willkürlich eine Applikation aus dem Store kippt). Umgekehrt könnte sich die Plattform aber auch im ewigen Beta-Stadium verrennen und die gewöhnlichen Benutzer abschrecken - und wenn es keine weite Verbreitung gibt, sinkt die Attraktivität der Plattform für die Entwickler wieder.

Auf welches Eck würdet ihr setzen?


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