Allerdings könnte man sich schon fragen, ob man sich eine Scheibe bei der Film-Kritik abschneiden könnte; dort ist es schliesslich auch verbreitet, Filme mit Sternen (4 aus 5) oder Daumen (nach oben/unten) zu bewerten, auf einer viel schmaleren Skala (und damit weniger lächerlich), aber doch numerisch.
Auf den ersten Blick hat ein solches Fazit am Schluss eines Reviews einen klaren Nutzwert für Konsumenten: "Guido sagt: Kaufen." Es ist damit klar subjektiv, aber auch schnell und handlich.
Am Sender ziehe ich meistens ein Fazit - weil das von der Redaktion gefordert wird, weil die Rubrik "Game-Tipp" heisst und damit ein Fazit strukturell vorgesehen ist.
In einem längeren Text auf einem Blog (das schon viel eher für eine Spezialisten-Leserschaft ist) sollte man sich aber von der Textsorte "Kaufberatung" lösen können. Und z.B. auch einfach über einen spannenden Aspekt eines Spiels schreiben. Und den mündigen Lesern überlassen, ob sie das Spiel nun anspricht oder nicht.
Und schliesslich ist die Wirkung einer solchen Kaufberatung äusserst fraglich. Zwischen dem Kaufverhalten der Konsumenten und der Bewertung der Kritiker gibt es recht wenig Zusammenhang (wie übrigens bei Kinofilmen auch).
Fast alle Konsumenten sind sich zum einen an konkrete %-Wertungen gewohnt und benötigen auch nur diese Information zum Kaufentscheid. Zeilenlange Berichterstattungen sind zwar schön und gut, sind im Endeffekt aber einfach nur Beiwerk für die wenigen wirklich interessierten Leser, welche sich einfach etwas mehr mit der Materie auseinandersetzten und auch etwas Zeit investieren möchten. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass diese eine starke Minderheit der Leser von an erster Stelle Online-Magazinen darstellen.
Ich persönlich finde es sehr schade, dass der Videospieljournalismus diesen Weg schon seit Anbeginn begeht und diesen auch heute noch nicht geändert hat, zumal sich Videospiele ja ungemein entwickelt und etabliert haben. Es existieren ja auch keine Filmkritiken, welche z.B. The Godfather mit 95% und Citizen Cane mit 98% bewerten, denn dies wäre ganz einfach lächerlich und zudem extremst ungenau und sagt zudem kaum etwas aus (Warum zur Hölle denn 3% mehr bzw. weniger?). Ich denke auch das dies eventuell ein Grund sein könnte das Filme meist mit 5-Sternensysteme bewertet werden, es wird einfach, wohl auch aus alter Gewohnheit, mehr Wert auf das Review an sich und nicht auf die Wertung geachtet.
Certainly nuff said...