Der Todesritter ist die neue Heldenklasse in World of Warcraft: Wrath of the Lich King. Diese zweite Erweiterung von WoW wird für den Winter erwartet, im Moment läuft der Beta-Test von WotLK. Ich gehöre zu den Glückspilzen, die daran teilnehmen dürfen - und habe mich gleich auf den neuen Todesritter gestürzt. Eine der Rollen, die man mit dem Todesritter spielen kann, ist die des Tanks. In dieser dreiteiligen Serie beleuchte ich die Entwicklung des Tanks in World of Warcraft für Uneingeweihte und erkläre, warum ein Todesritter-Tank so aufregend ist. Dieser dritte Teil schliesst die Serie ab.
Die Rolle des Tanks in World of Warcraft hat sich stark entwickelt. Sie ist abwechslungsreicher und komplexer geworden - und mit der neuen Erweiterung Wrath of the Lich King setzt Blizzard diesen Trend fort.
Wenn man bis jetzt einen Tank spielen wollte, wusste man, welcher Talent-Baum dafür vorgesehen war (
mehr dazu im zweiten Teil der Serie). Das
ändert sich nun. Die neue Klasse, der Todesritter, kann auch als Tank gespielt werden - die Tank-spezifischen Talente sind aber
auf alle drei Talentbäume verteilt.
Einige Beispiele:
- "Unbreakable Armor" im Frost-Baum, das Rüstung und Parier-Chance erhöht.
- "Bone Shield" im Unholy-Baum, das den Todesritter mit wirbelnden Knochen umgibt, die Schaden absorbieren.
- "Vampiric Blood" im Blood-Baum, das Heilung erhöht, die der Tank erhält.
Das alles wären Talente, die ein Tank gerne haben möchte (mehr Rüstung, Schaden verhindern, Heilung verbessern: so hält ein Tank länger durch). Weil sie aber auf drei Bäume verteilt sind, kann er nicht alle lernen, sondern muss sich für maximal zwei davon entscheiden.
Das hat erst einmal grosse Verwirrung unter den Spielern gestiftet. Und Ängste geschürt - dass Todersritter-Tanks entweder viel zu stark sind (dass es also gar nicht so auf die Wahl der Talente ankommt) - was die anderen Klassen benachteiligen würde. Oder das die Todesritter das Schicksal aller Mehrfachbegabten erleiden: sie können zwar alles, aber nichts richtig. Und können deshalb bei wirklich schwierigen Kämpfen nicht als Tanks eingesetzt werden.
Das alles notabene während der Beta-Phase. Die WotLK-Erweiterung ist noch nicht veröffentlicht, und die Talente gerade des Todesritters sind seit Beginn der Beta schon zweimal geändert worden - alles ist also noch mächtig im Fluss.
Beeindruckend finde ich, dass Blizzard (die Spielentwickler) jetzt aktiv schon aktiv die Gedanken hinter dieser neuen Talent-Strategie erklären, ihre Absichten beschreiben, und mit den Spielern so in einem echten Dialog sind. Und natürlich wird auch unter den Spielern, die im Beta-Test die Talente wirklich ausprobieren können, heiss diskutiert, welche Talent-Kombinationen sich am besten für die Tank-Rolle eignen. Diese Diskussion ist durch die Verteilung der Talente auf drei Bäume viel spannender geworden; ich erwarte eine Vielzahl von kreativen Vorschlägen. Das ist toll: heute gibt es manchmal Talent-Kombinationen, die so allgemein anerkannt sind, dass es einem Nachteile bringen kann, das man fast schon geächtet wird, wenn man vom Kanon abweichen will.
*** SPOILER ALERT ***
Wer die Start-Quests des Todesritters durchspielen will, ohne im Voraus etwas zu wissen, der sollte jetzt aufhören zu lesen. Ich plaudere nicht alle Details aus, aber schon ein paar zentrale Eckpunkte.
Einen Todesritter kann jeder erstellen, der mindestens eine andere Spielfigur bis Level 55 gespielt hat. Der neue Todesritter fängt nicht bei Level 1 an (wie das sonst üblich ist), sonder direkt auf Level 55. Nach Abschluss der Startquests ist ein Todesritter auf Level 58.
Das bedeutet, dass sich die ersten Gehversuche ganz anders anfühlen als bei anderen Klassen: mit einem kleinen Level 1 kämpft man z.B. gegen Wildschweine, vielleicht mal gegen einen Wolf - und fühlt sich allgemein schwach und verletzlich (vor allem zaubernde Klassen wie Magier und Priester). Nicht so der Todesritter: man beginnt bereits gut ausgerüstet, sieht furchterregend aus und bekommt kurz nach Beginn gleich den Auftrag, einen Gefangenen hinzurichten. Also eine Figur, vor der alle erzittern.
Todesritter beginnen unter dem Befehl des Lichkönigs (der der neuen Erweiterung den Namen gibt). Die Todesritter waren früher mächtige Paladine, die aber ihren Glauben verloren und ihre Seelen gegen das Versprechen der Unsterblichkeit dem Lichkönig opferten. Und unter dessen Fuchtel beginnt man das Spiel, und bekommt seinen allerersten Auftrag auch gleich vom Lichkönig persönlich (dafür, dass der sooo böööse ist, hätte der mich allerdings etwas mehr beeindrucken können).
Und diese Aufträge haben es in sich: die Todesritter werden losgeschickt gegen ein Dorf und richten dort ein Massaker an. Es wird keinen Unterschied zwischen Soldaten und Zivilisten gemacht - eine Neuheit im Spiel: Zivilisten waren bisher nicht angreifbar; hier ist es erforderlich, um den Quests abzuschliessen. Die meisten wehren sich nicht einmal - es wird dem Spieler also deutlich gezeigt, dass er da etwas verwerfliches tut.
Der Spielfigur wird das aber erst allmählich klar. Insbesondere, als sie erneut den Auftrag bekommt, einen wehrlosen Gefangen hinzurichten. Dieser erkennt den Todesritter aber, resp. die Person, die er vor seinem Seelenverkauf war. Und versucht ihn daran zu erinnern, dass er einmal für das Gute gekämpft hat. In dieser tragischen Szene wird die Saat gesetzt, die später aufkeimt: der Todesritter sagt sich vom Lichkönig los und stellt seine unheimlichen Kräfte dem Kampf gegen das personifizierte Böse zur Verfügung.
Allerdings nicht bevor man noch auf einem fliegenden Drachenskelett ein ganzes Dorf mit explodierenden Eis-Blitzen dem Erdboden gleichmacht. Brutal, aber spektakulär.
Der Todesritter ist ein moderner Tank - eine Rolle, die ich noch nie gespielt habe und die wohl noch nie so interessant war wie jetzt. Und der Todesritter ist der ultimative Badass: Er kämpft nicht mit einem Schild, sondern mit einer Zweihandwaffe - versteckt sich also nicht, sondern bringt Schrecken und Vernichtung. Furchtlos, brutal, stark - und darum ein perfekter Tank.
Update:
Nachdem WotLK nun veröffentlicht ist, und damit die Talent-Bäume definitiv, habe ich mich hingesetzt und gerechnet. Hier ist
mein Vorschlag für einen Todesritter-Tank-Build. Entgegen meiner früheren Experimente habe ich mich gegen Frost entschieden und ziehe nun eine Kombination aus Unheilig und etwas Blut vor.