von
Guido Berger
- 24.05.2011, 14:55 Uhr
200 Millionen können nicht irren? Doch! Dass so viele den Mega-Hit "Angry Birds" spielen, entschuldigt dieses durch und durch korrupte Spiel nicht.
Klar schmeissen wir alle gerne Klötzchen-Türme um, und diese fiesen grünen Schweine mit ihrem selbstgefälligen Grinsen haben es nicht anders verdient – doch "Angry Birds" ist die spielerische Entsprechung eines Willkür-Regimes.
Denn ob wir einen Level schaffen oder nicht, hat rein gar nichts mit Können zu tun. Wir werden nicht besser mit der Zeit, sondern bleiben schlecht. Das Spiel bringt uns nichts bei, es lässt uns einfach stumpf Dinge gegen Dinge schmeissen, und je nach Lust und Laune lässt es uns durchrutschen.
Nicht nur der Spielerfolg in "Angry Birds" ist Zufall, auch die Bewertung eines Levels. Ob wir einen oder drei Sterne für unsere Leistung erhalten, bleibt ohne erkennbares System. Hier wird nicht Leistung belohnt, sondern Frust-Toleranz.
Wenn aufrechte Bürger mit einem System der Willkür konfrontiert werden, aber dennoch etwas erreichen wollen, dann bleibt oft nur der Ausweg der Korruption. Wer eine Bewilligung braucht, schmiert den Beamten.
Und genau das tut "Angry Birds". Es zieht Hürden des Frusts hoch, steigert die Schwierigkeit willkürlich und sprunghaft und lässt uns gegen die Wand fahren. Und wenn wir gemerkt haben, dass unsere Anstrengungen fruchtlos sind, dann hält es die hohle Hand hin: Für echtes Geld (CHF 1.10) können wir den "Mighty Eagle" kaufen und den frustrierenden Level automatisch lösen. Das ist pure Absicht:
Entwickler Rovio verkündet stolz, dass 40% der Spieler diese Mogelei nutzen und das Spiel bestechen.
Deshalb ist "Angry Birds" nichts anderes als ein korrupter Staat – und schlimmes, schlimmes Game Design.
Chris Shilling schreibt für Eurogamer: "
Do something, anything other than playing this stupid, miserable, cynical game which has somehow managed to enslave you." Dem schliesse ich mich an.
Angry Guido!